SOS Storch

    • Aargauer Zeitung 07.11.2016

      «Gerade bei ihr dachten wir: Sie schafft das» – Jungstorch Zoé lebt nicht mehr
      von Thomas Wehrli — az Aargauer Zeitung
      Zuletzt aktualisiert am 7.11.2016 um 16:12 Uhr


      Zoé, die junge Störchin, kam in Marokko wohl durch einen Stromschlag ums Leben. Statistisch gesehen ist das nicht verwunderlich – rund die Hälfte aller Störche kommen in ihrem ersten Lebensjahr um.

      Zoé hat es nicht geschafft: Der Jungstorch vom «Storchennestturm» in Rheinfelden, der Mitte August mit anderen Jungstörchen zum Überwintern nach Süden gezogen ist, kam in Marokko ums Leben. Das bestätigt Stephan Kaiser vom Natur- und Vogelschutzverein Rheinfelden.

      Zoe nahm wie Camino, der Jungstorch vom «Adler» in Kaiseraugst, am Projekt «SOS Storch – Storchenzug im Wandel» teil. Um mehr über den Storchenzug zu erfahren, werden jedes Jahr Jungstörche mit einem Sender ausgerüstet. Diese «Datenlogger» zeichnen den Flug auf und übermitteln die Koordinaten zweimal pro Tag per Mobilfunk.

      Bis im Oktober war Zoé eine Musterschülerin, oder vielmehr: eine Musterstörchin. Sie liess die spanischen Müllhalden, auf denen viele Störche sitzen bleiben und überwintern, links liegen und überquerte am 7. Oktober die Strasse von Gibraltar.

      Doch schon bald bewegte sich Zoé auf dem Feld in der Nähe von Oulad Chraâ kaum mehr, alle Meldungen des Datenloggers lagen im Radius von 30 Metern. Ein Alarmzeichen. Wenig später hatten Kaiser und die Rheinfelder Storchenfreunde Gewissheit: Zoé ist tot.

      Holger Schulz, Projektleiter von «SOS Storch – Storchenzug im Wandel», hegte zuerst den Verdacht, dass Zoé abgeschossen wurde. «Das kommt leider in Marokko und Spanien immer wieder vor», sagt Schulz. Gejagt werden die Störche weniger zum Essen, denn als Trophäen. «Leider gibt es auch Jäger, die einfach auf alles schiessen, was sich bewegt», sagt Schulz.
      Für die az wertete Schulz die letzten Daten von Zoé genauer aus. Er fand einen Schatten auf dem Satellitenbild, den er als Freileitung deutet. Die Unglückszeit – zwischen 18 und 19 Uhr – spricht für Schulz dafür, dass Zoé beim Versuch, auf einem Strommasten zu übernachten, ums Leben kam.

      50 Prozent kommen ums Leben
      Zoé ist da kein Einzelfall. «Die Hälfte der Jungstörche überlebt das erste Jahr nicht», sagt Schulz. Sie haben noch wenig Erfahrung und sind im Fliegen ungeschickter als die erwachsenen Tiere. «Es kommt deshalb immer wieder vor, dass ein Storch in eine Stromleitung fliegt und stirbt.»
      Das erlebten die Rheinfelder Naturschützer mit Jérôme, dem Bruder von Zoé, der ebenfalls mit einem Sender ausgestattet wurde. Ihn fand man Mitte Juli tot, direkt unter der Starkstromleitung in der Nähe von Möhlin.

      Der Doppelverlust schmerzt Stephan Kaiser schon. «Gerade bei Zoé dachten wir: Sie schafft das», sagt Kaiser. Man sei schon etwas stolz auf Zoé gewesen, als sie den Flug nach Afrika geschafft hatte – als einer von nur zwei Jungstörchen, die in diesem Jahr besendert wurden.
      Es sollte nicht sein. «Leider einmal mehr Pech gehabt», bilanziert Kaiser.

      Zoé war der dritte Rheinfelder Jungstorch, der am Projekt teilnahm. Alle drei sind tot. Calima, der dritte Jungstorch, wurde 2014 mit einem Logger ausgestattet. Sie kam noch im selben Jahr ums Leben – «Stromtod an Freileitung», steht in ihrem Datenlogger-Profil. Ihr Datenlogger wurde geborgen, konnte aber nicht mehr repariert werden.

      Der Logger von Zoé hingegen wird nicht geborgen. «Das wäre zu gefährlich und zu teuer», sagt Kaiser. Vom Projekt ist er nach wie vor überzeugt. «Es gibt wichtige Aufschlüsse über den Storchenzug. Das hilft für die Zukunft.»
      Viele Grüße von
      Brit

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