NUH - Natur- und Umwelthilfe Erlangen e.V.

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    • NUH - Natur- und Umwelthilfe Erlangen e.V.

      Nestunterlage und Bruterfolg des Weißstorchs (Ciconia ciconia) an zwei Brutplätzen im Rotmaingebiet

      (Fehlende bzw. verkrüppelte Handschwingen beim heranwachsenden Weißstorch)

      Von EDMUND LENZ, Höchstadt a.d. Aisch

      und MICHAEL ZIMMERMANN, Erlangen

      Unter einer ähnlichen Überschrift hat sich Robert PFEIFER (1989) mit dem Bruterfolg der Weißstörche von Altdrossenfeld und Oberkonnersreuth beschäftigt. Auslöser dieser Arbeit war der geringe Bruterfolg von 1,28 flüggen Jungen pro Horst und Jahr, der noch deutlich hinter dem (für die Arterhaltung zu niedrigen) bayerischem Mittelwert von 1,79 zurückbleibt.

      R. PFEIFER fand für den besonders geringen Bruterfolg in nassen Sommern folgende Erklärung:

      -> Schlechtes Wetter

      -> Zeitliche Verschiebung der Heumahd

      -> (Alttiere finden im hohen Gras keine Regenwürmer)

      Schlechte Bodenzugänglichkeit der Wiesen

      -> Verhungern der Brut

      Diese Aussage deckt sich mit der des bayerischen Storchengutachtens (BURNHAUSER 1983, Seite 54), welches "sukzessives Verhungern durch ungünstige Ernährungsbedingungen als wesentliche Verlustursache nestjunger Störche" sieht.

      Nun, wer die Bewirtschaftungspraxis in einer Talaue ein paar Jahre beobachtet, weiß, daß die Bauern entsprechend ihrer verschiedenen unternehmerischen Risikobereitschaft den Zeitpunkt der Heumahd keineswegs einheitlich wählen, so daß sich doch Zweifel an der Richtigkeit der gegebenen Erklärung aufdrängen. Überdies liegen die Regenwürmer bei Nässe nicht nur im hohen Gras, sondern auch auf den meist hart verbauten landwirtschaftlichen Wegen, oft in einer Dichte, daß man kaum Platz für den nächsten Tritt findet. Auch die Art und Weise, wie schnell eine vitale Brut bei Starkregen die Köpfe nicht mehr über den Nestrand hebt, nährt die Zweifel an der dargebotenen Erklärung. R. PFEIFER erwähnt zwar selbst alternativ einen möglichen "Kausalzusammenhang zwischen der Beschaffenheit der Nester und den Vogelverlusten in Regenperioden", verfolgt diesen Gedanken aber bedauerlicher Weise nicht weiter. Dies möchten wir hiermit nachholen.

      Bis Anfang der 80er waren auch wir Anhänger der Hungertheorie. Am 28. 5. 1983 haben wir dann aber dazugelernt: nach einer Regennacht konnten wir von unten keine Jungtiere mehr sehen und mancherorts strichen beide Alttiere vom Horst ab (normalerweise bleibt bei einer jungen Brut immer ein Altvogel am Nest). Wir fuhren deshalb unsere Horste mit der Feuerwehrleiter an und mußten die grausige Feststellung machen, daß 70% der Jungtiere an Unterkühlung eingegangen waren. Eine andere Diagnose war nach Lage der Dinge absolut unmöglich: die Nestmulden hatten sich in Schlammlöcher verwandelt, das Dunengefieder der Jungtiere war unbeschreiblich verschmutzt und verklebt und alle Jungen, ob tot oder lebendig, waren in einem guten Ernährungszustand.

      Auch in den darauffolgenden Jahren haben wir unsere Horste nach Regen angefahren und festgestellt, daß im Mittel etwa 50 % der Jungtiere nach Regen an Unterkühlung sterben. Wenn man sie daran hindert, indem man das Nest rechtzeitig wasserdurchlässig macht, dann verdoppelt sich die Ausflugsquote. Nahrungsmangel spielt nach unserer Erfahrung, demgegenüber nur eine geringere Rolle. Als praktizierender Storchenschützer bekommt man nach dem Ausfliegen der Bruten wieder viel zu viele Jungtiere in die Hand, nämlich die Opfer elektrischer Freileitungen. Wir haben nicht versäumt sie auf die Waage zu legen. Die Gewichte lagen mit 3-4 kg allesamt im Normalereich.

      Ursache der Horstvernässung ist zunächst der Plastikeintrag der Alttiere. Nach Hochwasser sind in der Talaue reichlich Plastikfetzen zu finden, die zur Nestpolsterung nach Hause getragen werden. Wir haben darüber einen Aufsatz in den Berichten der Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (LENZ & ZIMMERMANN 1990) veröffentlicht.

      Wenn allerdings bereits die angebotene Nestunterlage wasserdicht ist (Holzplatte mit Dachpappe, Bleche, Platten aus Stein oder Eternit), dann wird der Horst wegen ungenügenden Wasserablaufs auch ohne Plastik zur Todesfalle.

      Auch Körbe aus Weidengeflecht sind gleichermaßen gefährlich, was auf Anhieb nicht verständlich ist, da ja jedermann weiß, daß man in einem Weidenkorb kein Wasser tragen kann.

      Nun ist es aber so, daß der natürliche Horsteintrag neben Gras und Mist auch einen hohen Anteil lehmiger Erde aufweist. Letztere verbindet sich durch Trittmassage mit dem Korbgeflecht, das schließlich wie eine Armierung wirkt, zu einer praktisch wasserundurchlässigen Struktur.

      Die Horstunterlagen von Altdrossenfeld und Oberkonnersreuth bestehen aus solchen Körben, die zudem noch gegen Funkenflug aus den Kaminen, denen sie aufsitzen, durch eine Eternitplatte bzw. durch Blech geschützt sind. Unter diesen Umständen braucht man sich wirklich nicht zu wundern, wenn nach Starkregen die Bruten verschwinden (zuletzt Ende Juni in Oberkonnersreuth).

      Die Weidenkörbe sollten daher umgehend durch wasserdurchlässige Nestunterlagen ersetzt werden. Wir haben im Nestunterlagenbau schon mehrere Jahre Erfahrung und würden gerne dabei helfen.

      Es sollte jedoch nicht unerwähnt bleiben, daß sich die Storchenschützer, die Weidenkörbe verwenden (Schwerpunkt Oberpfalz), durch zahlreiche Neuansiedlungen große Verdienste erworben haben.

      Die Hungerkerben

      Zum Schluß berichtet R. PFEIFER über "Hungerkerben" bzw. "Hungerstreifen". die 1987 bei der Altdrossenfelder Brut aufgetreten sind und glaubt, daß sie "auf extremen Nahrungsmängeln während der Federwachstumsphase beruhen können".

      In nassen Sommern entdeckt man gelegentlich bei Jungstörchen schon mehrere Wochen vor dem Ausfliegen, daß sich die Handschwingen nicht normal entwickeln. Wenn sie bei der Fluggymnastik die Flügel ausbreiten, wird sichtbar, daß Handschwingen entweder ganz fehlen, unterentwickelt oder drehwüchsig sind.

      Die normal entwickelten Geschwister fliegen mit etwa 63 Tagen und wagen mit 68 Tagen die ersten Bodenlandungen in der Talaue. Die Alttiere füttern in dieser Zeit am Horst immer seltener, schließlich wird nur noch auf der Wiese Nahrung vorgewürgt, was natürlich nur dem flugfähigen Nachwuchs zugute kommt. Der flugunfähige steht derweil hungernd auf dem Horst und magert ab. Wenn die Alttiere am Abend nach Hause kommen, entziehen sie sich dem aufdringlichen Betteln, indem sie nicht auf dem Horst übernachten, sondern auf einem benachbarten Giebel oder Kamin. Schließlich sind die flugunfähigen Jungen zu jedem Risiko bereit und starten mit dem Familienverband, als wäre das Gefieder in Ordnung. Nach ein paar Metern kommt es zur Bruchlandung, wenn sie Glück haben, einigermaßen unverletzt. Der Horstbetreuer wird gerufen und birgt die abgemagerten Tiere.

      Die Diagnose: "unvollständige Gefiederentwicklung wegen akuter Unterernährung (Hungerkerben)" drängt sich förmlich auf. Aber ist sie auch richtig?

      Die Unterkühlungskerben

      1987 trat das beschriebene Phänomen bei mehreren Jungtieren unseres Beobachtungsgebietes auf und zwar bezeichnenderweise ausschließlich in Horsten, die von oben her einsehbar sind. Hier braucht bei einsetzender Nässe nicht befürchtet zu werden, daß der bruterhaltende Eingriff zu spät kommt. Einer dieser Horste befindet sich in Gerhardshofen auf dem Pfarrhaus. Der benachbarte Kirchturm bietet hervorragenden Einblick. Zu diesem glücklichen Umstand kommt ein weiterer: M. Kress und J. Heber beobachten und fotografieren krisenhafte Entwicklungen täglich. Es geschah folgendes:

      09.06.87 Die 5er Brut ist etwa 22 Tage alt, wohl genährt und vital. Die Alttiere hudern nicht mehr. Es setzt Regenwetter ein, kein Starkregen, doch mehrere Schauer

      12.06.87 Schauerwetter hielt an. Horst ist deutlich vernäßt. Die beiden größten (erstgeschlüpften) Jungtiere benützen die drei jüngeren Geschwister als Unterlage gegen die Horstnässe. Die Alttiere füttern reichlich.

      14.06.87 Die drei jüngeren Geschwister sind durch Nässe und Schmutz deutlich dunkler gefärbt als die beiden älteren.

      15.06.87 Zunahme der Niederschläge. Die drei jüngeren sehen vor Nässe und Schlamm fast schwarz aus. Längeres Zusehen schien uns nicht mehr verantwortbar. Die drei “Schwarzstörche” werden dem Nest entnommen. Wir können feststellen, dass sie stark unterkühlt, aber wohlgenährt sind. Die Handschwingen sind in diesem Alter schon vorgebildet und spitzen aus den blauen Blutkielen (siehe Abbildung 1).Die produzierenden Zellverbände müssen (müssten) optimal durchblutet sein.

      20.06.87 Die drei “Schwarzen” werden wieder eingehorstet. Sie wurden mit Fischen, Mäusen und Eintagsküken ernährt. Das Gefieder ist wieder weiß. Die Alttiere schaffen ausreichend Nahrung herbei.

      Bereits wenige Tage später zeigt sich ein Unterschied zwischen den belassenen und den vorübergehend ausgehorsteten Tieren: bei den letzteren sind bei ausgebreiteten Flügeln in der Reihe der Handschwingen Kerben zu erkennen, die mit zunehmendem Alter immer auffälliger wurden. Nach dem "Ausfliegen" haben wir sie eingefangen und in den Nürnberger Tiergarten gebracht, wo sie nach der Mauser flugfähig wurden (siehe Abb. 2 und 3).

      Kerben im Erstgefieder von Jungstörchen sind somit Unterkühlungsschäden. Während Starkregen junge Storchenbruten in Gefahr bringen, an Unterkühlung zu sterben, kann länger anhaltendes Schauerwetter ab der dritten Lebenswoche dazu führen, daß der Körper des Jungtieres versucht, durch Zentralisation des Blutkreislaufes den totalen Zusammenbruch des Wärmehaushaltes zu vermeiden.

      Infolgedessen werden die Blutkiele der Handschwingen an den Flügelextremitäten nur unzureichend mit Blut versorgt und sind somit nicht in der Lage, ein gesundes Gefieder zu produzieren (vgl. kalte Hände und Füße im Winter!). Die Gefiederlücken an den Handschwingen sind somit UnterkühIungskerben.

      Abb. 1: Nach einer Woche Schauerwetter ist der Horst der etwa 22 Tage alten 5er Brut stark vernäßt. Die drei jüngeren Geschwister werden von den beiden älteren als Unterlage gegen die nasse Horstmulde benutzt. Dies führt zu einer starken Gefiederverschmutzung der Unterliegenden. Da mit ihrem Tod durch Unterkühlung gerechnet werden muß, werden sie vorübergehend ausgehorstet. Beachte: Die Handschwingen stecken in den Blutkielen, die in dieser Entwicklungsphase intensiv durchblutet werden müßten.


      Stark vernaesste Brut (Klickbild)

      Abb.2: Die Brut ist jetzt etwa 45 Tage alt. Die drei "Schwarzstörche" sind längst wieder eingehorstet und das Gefieder ist wieder weiß, sogar zu weiß. Der hintere Teil des Rückens (Handschwingen) müßte nun bei normaler Gefiederentwicklung homogen schwarz gefärbt sein. Dies ist bei dem Tier im Vordergrund (mit dem Rücken zum Betrachter) erkennbar nicht der Fall (im Hintergrund ein Alttier).


      Brut 45 Tage alt (Klickbild)

      Abb. 3: Die Brut mit einem Alter von etwa 57 Tagen. Bei dem Jungtier Mitte hinten sind deutlich die Unterkühlungskerben im Handgefieder zu erkennen. Es wird zusammen mit den beiden sitzenden Geschwistern' zunächst flugunfähig bleiben.


      Brut mit etwa 57 Tagen (Klickbild)

      Aufnahmen von J. Heber

      Zusammenfassung

      Die geringen Ausflugerfolge der Weißstörche in Oberkonnersreuth und Drossenfeld sind auf ungeeignete Nestunterlagen (zu wenig wasserdurchlässig) zurückzuführen.

      Die Gefiederschäden der Brut von Altdrossenfeld 1987 (Lücken in den Handschwingen) sind Unterkühlungsschäden, die entstehen, wenn bei anhaltendem Schauerwetter durch Zentralisation des Blutkreislaufes die BIutkiele der Schwungfedern unzureichend versorgt werden.

      Literatur

      PFEIFER, R. (1989): Zu Nahrungssituation und Bruterfolg des Weißstorches an zwei Brutplätzen im Rotmaingebiet. - Anz .Orn .Ges. Bayern 28: 117-130.

      BURNHAUSER, A. (1983): Zur ökologischen Situation des Weißstorchs in Bayern. - Institut für Vogelkunde, Garmisch-Partenkirchen. 3. Juni 1983, Seite 54.

      LENZ, E. & M. ZIMMERMANN (1990): Die Jugendsterblichkeit beim Weißstorch. - Berichte der ANL 14: 141-148.

      Fotos: Jens Heber

      Verfasser:

      Edmund Lenz
      D-91315 Höchstadt a.d. Aisch, Händelstraße 10

      Michael Zimmermann
      D-91054 Erlangen, Neue Straße 24
      Viele Grüße von
      Brit

      „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

      Antoine de Saint-Exupéry
    • Winterfuetterung fuer den Storch
      Ein Artikel von Michael Zimmermann

      Ueberwinternde Weiss-Stoerche und wie man ihnen hilft



      Wenn Sie auf einem Winterspaziergang diese Spur im Schnee entdecken, deren Verursacher offenbar die Hoffnung hatte im noch nicht voellig verwehten Graben eine Maus zu finden, und sich Ihr Mitleid regt und Sie dem hungrigen Tier helfen wollen, dann ist Ihr Gefuehlsleben intakt! Mir jedenfalls ging es so, als ich Ende der 70er diese Aufnahme machte, die die Trittsiegel eines Weißstorchs zeigt. Ich stellte mir die Aufgabe das Tier durch den Winter zu bringen.

      Zunaechst ein Sommerbild von ihm, pardon von ihr, denn sie ist weiblichen Geschlechts. Ich habe schon viele Storchenphotos gemacht, dieses mag ich aber besonders gern, weil die Dargestellte so schoen ist und so gelassen in die Kamera schaut. Unsere Freundschaft waehrt mittlerweile schon lange und als an ihrem 25. Geburtstag auffiel, dass sie noch keinen Namen hatte, bekam sie einen: sie heisst seitdem “Twenty” und ihr Ehemann (es ist nicht gut, dass der Storch allein sei!) konsequenterweise “Five”.



      Twenty ist 1977 in Obereichenbach aus dem Ei geschluepft und bei einem der ersten Ausfluege in eine elektrische Freileitung gerast. Sie war flugunfaehig und wurde zur aerztlichen Versorgung in den Nuernberger Tiergarten gebracht, wo sie nach einigen Wochen als geheilt entlassen wurde. Dies erfaehrt man von der Vogelwarte in Radolfzell, wenn man die Nummer ihres Aluringes einschickt, den sie am linken Bein oben traegt.

      Twenty´s Schicksal, am Afrikazug im ersten Lebensjahr nicht teilnehmen zu koennen und so offensichtlich wichtiges Lernen und Gepraegtwerden zu versaeumen, ist typisch für Winterstoerche. Sie sind offenbar nicht in der Lage das Versaeumte nachzuholen.

      Nun feiert sie bald mit Five silberne Hochzeit und hat mit ihm an die 100 Nachkommen in ihrem Horst auf der Klostermälzerei in Erlangen-Frauenaurach erzeugt, die allesamt – soweit sie zum Ausfliegen gekommen sind – fristgerecht abgezogen sind.

      Vor ein paar Tagen erhielt ich von der Vogelwarte die Ringablesung eines franzoesischen Storchenfreundes im Rhonedelta. Den Ring hatte ich selbst angelegt. Es handelte sich um eines von Twentys Kindern! Winterstoerche erzeugen naemlich, auch bezueglich dem Zugverhalten, voellig intakten Nachwuchs! Soviel zum ersten Vorwurf, der gelegentlich erhoben wird, wonach “Zugversager” wieder solche produzieren. Der zweite Vorwurf lautet, dass die Ueberwinterer den Afrikaziehern die Nistplaetze wegnaehmen. Auch diese Behauptung stimmt nach meiner Erfahrung nicht. Twenty und Five kennen diesen Konflikt ueberhaupt nicht. Sie benutzen seit Jahr und Tag den gleichen Horst auf der Klostermaelzerei, der vor 25 Jahren fuer sie errichtet wurde.

      Tatsaechlich hat ein anderes Winterpaar ein paar Mal versucht auf den Horst eines ziehenden Paares zu uebersiedeln, nachdem sein eigener Horst durch Kaminbruch zerstoert werden musste und ein Ersatzhorst nicht angenommen wurde. Als das angestammte Maennchen ankam, hatten die Hausbesetzer bereits das Gelege, welches nach kurzem Kampf aus dem Nest flog und auf dem Dach zerschellte. In der Natur setzt sich nicht der besser genaehrte, sondern der aggressivere durch! (Konrad Lorenz laesst gruessen!) Auch im Verhalten (Fluchtdistanz, Brutpflege, Nahrungserwerb) zeigen Twenty und Five keinerlei Anomalien, abgesehen davon, dass sie nicht ziehen.

      Deklassierende Vorwuerfe gegen die Winterstoerche sind unbegruendet. Sie sind eine wichtige Stuetze der natuerlichen Population! Auch die Schutzgesetze machen keinen Unterschied.

      Die weiteren Bilder zeigen Twenty und Five bei Schnee an der Fuetterungsstelle und einmal bei ueberfrorenem Hochwasser



      An der Fuetterung finden sich natuerlich auch andere Nahrungsinteressenten ein: Lachmoewen (manchmal Sturm- und Silbermoewen), Raben- und Nebelkraehen, Graureiher (manchmal auch Purpur- und Silberreiher), Bussarde und einmal ein juveniler Seeadler, der sich ein paar Wochen hier aufhielt und ein geschlachtetes Schaf bekam. Er verursachte bei den Stoerchen und den menschlichen Beobachtern Aufregung.


      Und so geht es richtig mit der Winterfuetterung:

      Wenn man ab Mitte Oktober einen Storch sieht, kann man davon ausgehen, dass er ueberwintern wird. Man suche zunaechst seinen bevorzugten Standplatz in der Talaue und bietet dort Futter an, auch wenn es im Augenblick noch nicht notwendig erscheint.

      Es kann aber taeglich zu einem Temperatursturz kommen, da muß der Storch bereits wissen, wohin er sich zu wenden hat. (Weiss er das nicht, setzt er, wie gesagt, zu großraeumigen Hungerfluegen an und ist nicht mehr auffindbar. Manche Individuen werden auch zu Bettlern und schliessen sich einem Huehnerhof an oder kommen zur Pause in einen Schulhof. Das wollen wir vermeiden. Der Storch soll auch im Winter sein natuerliches Verhalten, inklusive Fluchtdistanz, beibehalten.

      Von einem Karpfenrestaurant besorgen wir uns hier einen Eimer voll Innereien und Schlachtabfaelle. Manchmal bekommt man auch frisch verendete Fische: Karpfen werden filetiert und kleingeschnitten, Forellen werden nur quergeschnitten (5-7x). Die Abfaelle werden auf einer Flaeche von ca. 10 qm ausgestreut, im Zentrum davon steht ein Plastikeimer (nicht rot, da rot Signalfarbe. Keinen Blecheimer, wegen der Spiegelung beim Eintauchen des Kopfes).

      Die besten Brocken kommen in diesen Eimer. In einem zweiten Eimer bietet man Trinkwasser an, bei Frost angewaermt. Prompt reagieren die Kraehen auf das Angebot und fungieren als Lockvoegel. Der Storch braucht ein paar Tage, bis er sein Misstrauen überwunden hat und in den Eimer schaut. Der Eimer muß so tief sein, dass die Kraehen nicht zulangen koennen und einen festen Stand haben, damit er von den Kraehen nicht umgeworfen werden kann. Zur Abwechslung kann man in den Eimer auch ein paar Eintagskueken legen, die es gefroren zu kaufen gibt, oder eine mit der Falle erbeutete Maus. Gut ist es auch mit dem Anglerverein Verbindung aufzunehmen und die Teichbesitzer nach dem Abfischplan zu fragen und die manchmal in grossen Mengen anfallenden Abfallfische als Vorrat einzugefrieren. Die Fuetterung setzt man fort, bis im Maerz die Naechte frostfrei werden.

      Sie werden bei der Arbeit viel Schoenes erleben!!!

      Michael Zimmermann
      sog. Storchenvater
      Viele Grüße von
      Brit

      „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

      Antoine de Saint-Exupéry
    • Am 1. August 2008 war in unserer EN (Erlanger Nachrichten) folgender Zeitungsartikel zu lesen:

      Noch Kinderstuben gesucht ...




      Nachdem der LBV sich letztlich schon mehrmals ins von Mitarbeitern der NUH ‚gemachte Nest’ in Erlangen setzen wollte ist dazu nur ausdrücklich zu sagen, dass der LBV sich hier im Stadtgebiet schon gar nicht , im Landkreis völlig unwesentlich, falls überhaupt, durch irgendwelche besonderen Einsätze verdient gemacht hätte. Aber Absahnen, das möchte diesem Hilpoltsteiner Vogelverein unter Leitung von Oda Wieding wohl gefallen.

      Und was sagt unser Storchenvater Michael Zimmermann, der ja, wie bekannt, sich nicht „nur“ um Störche kümmert sondern tagein tagaus in Sachen Tier- und Naturschutz unterwegs ist, zu solchen Versuchen ‚feindlicher Übernahme’, - sein Versuch eine Gegendarstellung zu bringen ist gescheitert die Zeitung hat, aus welchen Gründen auch immer, es nicht gebracht!

      Gegendarstellung

      An die Erlanger Nachrichten
      z.Hd. v. Herrn Millian

      Bemerkungen zum EN-Artikel
      „Noch Kinderstuben gesucht“ vom 01.08.2008

      In den 60er Jahren fiel mir in Erlangen Bruck ein Hausbesitzer auf, der mit einer langen Holzstange die Mehlschwalbennester unter seinem Dachvorsprung herunterstieß, weil nach seiner Meinung seine Hauswand zu stark verschmutzt wurde. Ich bot ihm an unter den verbliebenen Nestern Schmutzbrettchen zu montieren, damit er in Zukunft mit seinen Schwalben in Koexistenz leben könne. Bei der Montage der Brettchen merkte ich, wie schwierig es ist eine Leiter aufzustellen und suchte und fand einen Mitmacher, meinen damaligen Berufskollegen Heinrich Münster. Unsere Schmutzbrettchen sprachen sich herum und wurden der große Renner. Wir haben bis heute im Großraum einige Kilometer davon verarbeitet, das letzte vor ein paar Tagen in der Kuttlerstraße. Überdies unterstützen wir die Mehlschwalbe durch die Montage von Kunstnestern, da in der Innenstadt das natürliche Nestbaumaterial (aus Lehmpfützen) fehlt. In der Schiffstraße z.B. war bei unserem Amtsantritt nur noch ein einziges natürliches Nest vorhanden, heute brüten dort über 30 Paare in Kunstnestern.

      Auch den anderen Mitbewohnern wurde geholfen. Immer wenn eine Kirche oder ein andere großes Gebäude zur Renovierung eingerüstet war, haben wir geprüft, ob nicht Mauersegler untergebracht werden können. Diese nisten auf der Mauerkrone zwischen den aufsitzenden Dachsparren und brauchen nur einen kleinen Zugang. Beispiel: Altstädter Kirche.

      Auch in den Dachböden und Türmen der Kirchen sind wir viel herumgekrochen und haben Existenznischen für Turmfalken und Dohlen gesucht, in den 80er Jahre gelang es, die Schleiereule in die Stadt zurückzuholen (Klosterkirche Frauenaurach) Die entsprechenden Einflugöffnungen waren aus Angst vor dem Schmutz der einsickernden Haustauben vergittert. Mit der Förderung der wertvollen Arten war immer auch eine Reduzierung der Haustauben notwendig.

      Ende der 90er Jahre gelang wieder ein großer Wurf: Auf unsere Bitte montierten die Stadtwerke an ihrem Heizkamin einen Brutkasten für Wanderfalken, der alsbald besetzt wurde. Inzwischen gibt es im Stadtgebiet 3 Brutpaare.

      In ausgedienten Trafo-Stationen wurden Sommerquartiere für Fledermäuse geschaffen und ein großer ehemaliger Bierkeller wurde zu einem Winterquartier umgestaltet.

      Im Laufe der Jahre hat die Natur- und Umwelthilfe (NUH), der Münster und ich angehören, eine ganze Reihe von Grundstücken erworben, die zu Biotopen umgestaltet wurden. Die Arbeitsgruppe „Besondere Brutplätze und Biotope“ wurde personell entsprechend aufgestockt. Besonders arbeitsintensiv ist unser Biotop Aurachmündung in Erlangen-Bruck mit dem Wasserschöpfrad. In der Regnitz treibender Unrat beeinträchtigt dessen Förderleistung erheblich, deshalb muss der Schmutzrechen täglich gereinigt werden. Als Heinrich Münster und ich heute vor Ort waren, sahen uns 34 (vierunddreißig) Weißstörche zu, die auf den gewässerten Wiesen reichlich Nahrung fanden. Dank der gedeihlichen Zusammenarbeit mit den Landwirten hat sich der Biotop wunderbar entwickelt. Bemerkenswert ist auch, dass in diesem Jahr 5 Storchenpaare im Stadtgebiet brüteten. Auf den Storch ist unsere Arbeitsgruppe relativ spät gekommen, erst Mitte der 70er Jahre. Als im benachbarten Möhrendorf damals ein Storchenpaar versuchte, ohne geeignete Unterlage ein Nest zu bauen, war in den Erlanger Nachrichten zu lesen, dass die Artenschützer doch endlich aktiv werden sollten. Ich wollte mich damals vor der Arbeit drücken mit der Ausrede, dass ich vom Storch nichts verstünde. Der öffentliche Druck wurde aber so groß, dass ich knieweich wurde und mich als Storchenhorstbauer versuchte …. mit Erfolg, was mein Leben nachhaltig veränderte. In der Zwischenzeit haben wir über 100 Nestunterlagen gebaut, viel bessere als damals in Möhrendorf, denn heute wissen wir worauf es ankommt.

      Das Schlüsselerlebnis fand im Mai 1983 statt; nach heftigem Kaltregen starben ca. 70% der Storchennestlinge durch Nässe und Unterkühlung. Wir schrieben damals Berichte an den Vogelschutzverein Hilpoltstein (LBV), dem wir als Mitglieder angehörten, mit Verbesserungsvorschlägen für die Horstbetreuung, welche die Bruterhaltung zum Ziel haben müsste. Die Hilpoltsteiner Reaktion hat uns tief enttäuscht. Man hielt dort das Nestlingssterben für natürliches Walten, welches hingenommen werden müsste. Mit diesen Doktrin konnten wir uns nicht anfreunden und traten, nach mehreren Aufforderungen aus Hilpoltstein, aus dem LBV aus und schlossen uns der NUH an, einem Verband, in dem Erbarmen mit der Kreatur und Hilfeleistung keine Fremdwörter sind. (In Normaljahren sterben in Bayerns Storchennester 200 – 300 Jungtiere an Vernässung, in Jahren mit nasskaltem Dauerregen, z.B. 1983 und 2007 an die 500).

      Die NUH entwickelte extrem wasserdurchlässige Nestunterlagen und genießt diesbezüglich einen guten Ruf (siehe auch Internet natur-und-umwelthilfe.de) Wir beraten Interessenten im In- und Ausland, kürzlich z.B. eine Universität in Südafrika, wo neuerdings auch Weißstörche brüten. Der Briefwechsel kam durch die Vermittlung der Deutschen Vogelwarte zustanden.

      Auch der LBV schätzt unsere Entwicklungen. Auf seinem Merkblatt für den Storchenhorstbau hat er unseren „First-Reiter“ wiedergegeben, dabei aber leider die Angabe des Urhebers vergessen. Auch sonst gibt sich der LBV mit der NUH ab: wenn er von einem unserer Horstbauprojekte erfährt, tut er alles um es zu Fall zu bringen, manchmal mit Erfolg.

      Auch folgendes sollte man wissen, bevor man sich mit Hilpoltstein einlässt: vor einigen Wochen habe ich die Beringung der beiden Fürther Storchenbruten vorbereitet. Dazu bat ich die Fürther Feuerwehr die beiden Storchenhorste mit ihrer Drehleiter anzufahren wie in den vergangenen Jahren. Über die Antwort staunte ich nicht schlecht. Sie lautete: der LBV hat der Fürther Feuerwehr mitgeteilt, dass ich nicht berechtigt sei Störche zu beringen. Ich beringe seit Jahren mit den Ringen der Deutschen Vogelwarte, die mich inständig darum gebeten hatte. Kurioserweise muss auch noch die Naturschutzbehörde ihren Senf dazugeben, deshalb fragte ich in Ansbach Mfr. an.

      Ich erfuhr, dass mir die Lizenz wegen mangelnder Zuverlässigkeit nicht mehr erteilt wurde. Begründung: da ich am Pfingstmontag 2007 bei intensivem Kaltregen Jungtiere aus den Horsten genommen habe könnten beim Zurückbringen Fehler entstanden sein, die sich auf die Wissenschaftlichkeit der Beringung nachteilig auswirken würden. Also: der Beringer, der seine Bruten krepieren lässt, bleibt untadelig, jener, der rettend eingreift, fliegt raus!

      Auch der LBV war außer sich über unsere geretteten Bruten und setzte in seiner Jahresstatistik all unsere Horste auf null.

      In Erlangen wurde in jahrzehntelanger ehrenamtlicher Arbeit für den Schutz der Gebäudebrüter durch die NUH Vorbildliches geschaffen. Erlangen nimmt in Deutschland die Spitzenposition ein. Dass der LBV jetzt auf den Zug als Trittbrettfahrer aufspringt geschieht wahrscheinlich in der Absicht aus unserer erfolgreichen Arbeit Kapital zu schlagen. Patenschaftsurkunden à € 1000,-- für unsere Storchenhorste hat er schon einmal zu verkaufen versucht.

      Die Zweitauflage könnte bevorstehen!

      Mit freundlichen Grüßen
      Michael Zimmermann
      Viele Grüße von
      Brit

      „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

      Antoine de Saint-Exupéry
    • Die Jagd

      Zum Thema Jagd hat Michael Zimmermann zusammen mit R. Trummer einen Artikel geschrieben der im *Strohhalm*, Ausgabe 1/1999, erschien. Titel dieses Beitrages:
      *Von Herbivoren und Carnivoren und den Ansichten des Herrn Bleischrot Weidgerecht, oder die Jagd von morgen*

      * Herbivoren = Tiere, die nur pflanzliche Nahrung aufnehmen
      * Carnivoren = Tiere, die sich von tierischer Nahrung ernähren

      Von Herbivoren und Carnivoren und den Ansichten des Herrn Bleischrot Weidgerecht, oder die Jagd von morgen
      Von R. Trummer und M. Zimmermann

      Von Gnus und Löwen

      Wahrscheinlich haben Sie folgende Szene schon gesehen: Im dürftigen Schatten einer Schirmakazie in der ostafrikanischen Steppe döst ein Löwenrudel vor sich hin. Nur ein
      paar Steinwürfe entfernt zieht ohne Panik eine Herde Gnus vorbei, instinktiv fühlend, daß von den Löwen, die erst am Vortage Beute gemacht haben, im Moment keine Gefahr ausgeht. Plötzlich geht doch ein Ruck durchs Löwenrudel. Es entgeht ihm nicht, daß sich das letzte der vorbeiziehenden Tiere merkwürdig verhält: sein Fell ist zottiger, der Mund ist leicht geöffnet und der Kopf wird etwas tiefer getragen. Obwohl der Magen noch nicht knurrt, nehmen die Löwen ihre Chance wahr. Die drei Weibchen, die hierfür zuständig sind, entfernen sich in geduckter Haltung vom Rudel und gehen dann zum offenen Angriff über. Nach einem kurzenSpurt packen zwei das Gnu in den Flanken und die dritte zermalmt ihm die Nackenwirbel.Das Beutemachen der Löwen geht nicht immer so leicht. Ist kein offen-sichtlich geschwächtes Tier auszumachen, dann müssen es die Löwinnen auf gut Glück bei irgendeinem Tier versuchen. War dieses jedoch aufmerksam und seine Fluchtreaktion gut, schlägt der Angriff fehl. Dies ist geradezu ein Charakteristikum der Löwenjagd: viele Mißerfolge bis es endlich klappt. Und wenn es nach zahlreichen Fehlversuchen gelingt, Beute zu machen, kann die Natur Erfolge verbuchen: Das Löwenrudel ist für ein paar Tage gesättigt, die Gnuherde wurde bezüglich Gesundheit, Vorsicht und Fluchtreaktion im Durchschnitt verbessert (Gnus kennen kein Siechtum) und einer Überpopulation, die zur Lebensraumzerstörung führen könnte, wurde entgegengewirkt.Aber auch den Löwen sind Grenzen gesetzt. Wenn in der Trockenzeit die Gnus abwesend sind, ist der Hunger allgegenwärtig. Dies führt schließlich dazu, daß sich das Rudel entschließt, das eine oder andere ältere Mitglied auszuschließen, was den sicheren Hungertod bedeutet oder gar den eigenen Nachwuchs zu reduzieren. Mag ein Einzelschicksal auch als hart erscheinen, so erweisen sich bei näherem Hinsehen die wechselseitigen Regelmechanismen als Garant für die langfristige Existenz der Lebensgemeinschaft. Mit anderen Worten, ihre Gesundheit, Aufmerksamkeit, Schnelligkeit, ihre gesamte genetische Qualität verdanken die Gnus (Herbivoren) und die fleischfressenden Löwen (Carnivoren) ihrem Zusammenwirken. Wer vom Optimum abweicht, fällt der natürlichen Selektion zum Opfer. Die Natur löst ihre Probleme selbst, den Menschen braucht sie nicht dazu. Der darf als Zuschauer staunend danebenstehen und über seine Fehler nachdenken (K. Lorenz: Die Todsünden der zivilisierten Menschheit).

      Bleischrot Weidgerecht ist mit den Verhältnissen in der ost-afrikanischen Steppe nicht einverstanden. Ihn schmerzt das entgangene Jagdvergnügen und er bekommt sogar Existenzangst, da alles aufs Beste auch ohne ihn funktioniert. Er schlägt vor, den Bestand der Löwen "auf ein vernünftiges Maß zu reduzieren" und die Gnus zum Abschuß freizugeben. Er kann sich sogar vorstellen, daß aus den kleinen, stark gekrümmten Hörnchen der Gnus durch selektiven Abschuß schöne, elegante Hörner herausgezüchtet werden können, so daß der präparierte Gnu-Kopf in seinem Jagdzimmer zum Blickfang würde. Als Hegemaßnahme möchte er Kraftfutter zufüttern, dem zur Minderung der Seuchengefahr bei erhöhtem Bestand gleich ein Breitbandantibiotikum zugesetzt werden könnte.

      Das Schicksal der heimischen Carnivoren
      Bleischrot Weidgerecht träumt gewissermaßen von der Übertragung der mitteleuropäischen Jagdpraxis. Hier wurde die "Reduktion auf ein vernünftiges Maß" bei den großen Carnivoren Bär, Wolf und Luchs längst erreicht. Sie wurden ausgerottet mit Stumpf und Stiel. Als vor ein paar Jahren zwei junge Wölfe aus dem Gehege des Nationalparks Bayerischer Wald ausrissen, dauerte es nur wenige Tage, bis ihr Bestand wieder auf ein "vernünftiges Maß reduziert" war (Bleischrot Weidgerecht handelte selbstverständlich in Notwehr). Und wenn es ein slowenischer Braunbär wagen sollte, nach Österreich einzuwandern, wird er ebenfalls umgehend "wegreduziert". Vor einigen Jahren hat der WWF versucht den Luchs wieder heimisch zu machen. Es gelang in der Schweiz, Slowenien und Tschechien. In Frankreich und Österreich wurden die ausgesetzten Tiere umgehend "wegreduziert". Noch schäbiger verhielten sich die Deutschen. Unter dem Druck von Bleischrot Weidgerecht und den Seinen wurde das Auswildern behördlicherseits untersagt. Den Carnivoren unter den Vögeln erging es nicht besser: Steinadler, Seeadler, Fischadler, Schlangenadler, Schreiadler und Uhu wurden erfolgreich reduziert, d. h. entweder völlig oder bis auf kleine Rückzugsnischen ausgerottet.Auch die kleineren Carnivoren bei den Säugern und Vögeln entgingen nicht der Vernunft des Bleischrot Weidgerecht. Auch Marder, Hermelin und Fuchs, Bussard, Wanderfalke und Habicht sind böse Arten und passen nicht in sein Naturbild. Sie erleiden eine Dauerbehandlung bei der Zurückführung auf das "vernünftige Maß". Da sie selbst bereits Beutetiere der Großen sind, hat sie die Natur mit einer höheren Nachwuchsrate ausgestattet. Die Gefahr, ausgerottet zu werden, ist daher nicht so hoch, obwohl ihre Verfolgung mit großem Zeitaufwand und unglaublicher Brutalität betrieben wurde und wird. Der Fuchs zum Beispiel mußte Abschuß, brutalste Fallen, Gift und Bauvergasung erdulden. Sein Überleben grenzt an ein Wunder und unterstreicht seine sprichwörtliche Schläue. In unserer Stadt überwintern seit mehreren Jahren einige Störche. Zu ihrer Erhaltung organisiert unser Verband im Winter einen Futterdienst. Grundlage hierfür sind die Fischabfälle der Fischrestaurants. Im Spätwinter gibt es eine Konkurrenz: Bleischrot Weidgerecht braucht auch Abfälle und zwar für den Fuchs. Nicht um ihn durch den Winter zu bringen, sondern um ihn in die Nähe seines Hochsitzes zur Hinrichtung zu locken.

      Die Folgen für den Wald
      Die Ausschaltung der Carnivoren hat verheerende Folgen. Statt der natürlichen Selektion praktiziert Bleischrot Weidgerecht seine Selektion nach Jagdtrophäe (Geweihgröße). Dies führt dazu, daß das Ergebnis jahrtausend-langer natürlicher Selektion in ein paar Herbivoren-Generationen kaputt geht, mit anderen Worten, Reh und Rothirsch sind nun einer genetischen Verwahrlosung ausgesetzt, es läuft ein Verhausschweinungsprogramm. Ihre Bestände haben sich vehement vergrößert. Verglichen mit natürlichen Lebensgemeinschaften etwa um den Faktor 10. Der Sämling einer Stieleiche, der Charakterbaum unserer Landschaft, hat nur dann eine Chance ein Baum zu werden, wenn er das Glück hat, in einem eingezäunten Areal zu stehen. Außerhalb wird er verbissen. Der Bergwald wird durch den Rothirsch so stark geschädigt, daß er die Geröllmassen der Hänge nicht mehr ausreichend binden kann. Der Allgemeinheit entstehen Milliardenschäden. Bleischrot Weidgerecht ist nicht willens, manchmal auch nicht fähig, natürliche Bestandsdichten herzustellen, denn hoher Bestand bedeutet viel Beute. In seiner Entwicklungsgeschichte war der Mensch bestrebt, seine Reichweite zu vergrößern. Am Anfang mußte er sich mit dem Steinwurf begnügen, dann kamen Speer und Lanze, schließlich Pfeil und Bogen und im Mittelalter raffinierte Schleudermaschinen und die Armbrust. Der große Durchbruch kam im 14. Jahrhundert mit der Erfindung des Schwarzpulvers und der Feuerwaffe. Sie übt auf manche Menschen eine starke Faszination aus. Zunächst werden sich die von
      der Veranlagung her (krankhaft) machtbesessenen und gewaltbereiten Typen "bewaffnen". Es ist aber auch denkbar, daß schwache Persönlichkeiten in kompensatorischer Absicht zur Waffe greifen. "Waffennarren" füllen sich ganze Schränke damit, andere wollen richtig schießen und schließen sich einem Schützenverein an. Davon gibt es im Lande wohl Tausende. Ihr Ziel ist der Mittelpunkt einer Zielscheibe, eine begrüßenswerte Ritualisierung ihrer "Gewalttätigkeit". Bleischrot Weidgerecht ist konsequenter. In seinen Liedern singt er vom Waffengebrauch, wie er ihn versteht:

      Ich schieß den Hirsch im wilden Forst
      im tiefen Wald das Reh,
      den Adler auf der Klippe Horst, die Ente auf dem See ....

      Das Huhn im schnellen Fluge,
      die Schnepf im Zick-Zack-Zuge ....
      Kein Ort der Schutz gewähren kann,wo meine Büchse zielt ....

      hab meine Freud daran.

      Jagd und Lust
      Dies ist der Einstieg in die Psyche von Bleischrot Weidgerecht. Während der normale Mensch beim Gedanken aus reinem Vergnügen auf lebende Tiere zu schießen Ekel und Abscheu empfindet, überkommt Bleischrot Weidgerecht Freude und Befriedigung, den Adler von seinem Horst zu schießen und die Schnepf im Zick-Zack-Zuge. Es klingt richtig sportlich! Er sieht im Tier nicht das Mitgeschöpf, welches Angst und Schmerz empfindet, sondern eine Zielscheibe, die durch ihre Beweglichkeit ihn als Schützen in besonderem Maße fordert. Sind Bleischrot Weidgerecht und die Seinen eine Selbstauslese jener Minderheit, bei welcher in der untersten Etage ihrer Psyche Sex und Gewalt pathologisch gekoppelt sind und die beim Ausleben ihres Triebes im grünen Mäntelchen auch noch gesellschaftliche Anerkennung findet? Manche Aktivitäten erinnern in der Tat an Marquis de Sade: Sein Interesse gilt bevorzugt sexuell erregten Tieren. Auerhahn, Birkhahn und Trappenhahn werden im Augenblick höchster sexueller Erregung niedergemacht und anschließend in Balzpose für das Jagdzimmer präpariert. Der Rehbock wird mit dem Lockruf der Geiß, den Bleischrot Weidgerecht vortrefflich zu imitieren versteht, zum Hochstand gelockt und der Rothirsch, dem es in der Novembernacht durch stundenlanges Röhren gelungen ist, seine Kühe zusammen- und den Nebenbuhler fernzu-halten, muß in der Phase sexueller Hochstimmung sterben. Der neue Platzhirsch heißt nun Bleischrot Weidgerecht. Wenn die sekundären Geschlechtsmerkmale seines Opfers entsprechend ausgeformt waren, hat es immerhin noch den Trost, bei der nächsten Trophäen-schau prämiert zu werden.

      Bleischrot und die Folgen
      Nichts haßt Bleischrot Weidgerecht mehr als unliebsame Beobachter. In der Vorbereitung zur Jägerprüfung wird in Erlangen gelehrt, die Einladungen zu einer Treibjagd keinesfalls mit der Post zu versenden, da diese unzuverlässig sei und Jagdkritiker auf den Plan rufen könnte. Warum Bleischrot Weidgerecht so öffentlichkeitsscheu ist, wissen vor allem die Hasen und die Enten. Der Feldhase Mümmelmann hatte z. B. nur drei Beine. Am Anfang waren es schon vier. Eines Tages wurde zur Treibjagd geblasen und eine dichte Kette von Treibern trieben Mümmelmann vor die aufgereihten Schützen und schon krachten die Schrotflinten. In vollem Lauf wurde Mümmelmann getroffen. Eine Schrotgarbe zertrümmerte ihm einen Oberschenkel. Er überschlug sich ein paarmal und blieb liegen. (Für den Sturz der getroffenen Hasen hat Bleischrot Weidgerecht einen eigenen Ausdruck: der Hase rolliert!) Plötzlich stand ein Jagd-hund vor ihm, packte ihn und versucht ihn zu Tode zu beuteln. In einer solchen Situation schreit der sonst stumme Mümmelmann aus Leibeskräften. Den Todesschrei des Feldhasen kann man nicht beschreiben. Er ist erbärmlich und geht durch Mark und Bein. (Bleischrot Weidgerecht sagt: "Der Hase klagt!") Normalerweise hat ein Hase in dieser Situation keine Chance mehr. Er wird entweder zu Tode gebeutelt bzw. gebissen oder die Treiber erschlagen ihn mit dem Stecken. Sein Schrei war aber so laut, daß der Hund einen Augenblick stutzte. Mümmelmann raffte die letzten Kräfte zusammen und rannte so schnell es das abgeschossene Bein, das nur noch durch eine Sehne mit dem Körper verbunden war, erlaubte und konnte sich - o Wunder - in Sicherheit bringen, bevor der nächste Schuß krachte. Nach wochenlanger Selbsttherapie überwand er alle Infektionen und konnte als Schwerbehinderter weiterleben und ging schließlich durch Hermann Löns in die Literatur ein.Seine toten Freunde wurden eingesammelt und weidmännisch aufgereiht. Dann wurde die "Strecke verblasen" und Bleischrot Weidgerecht sang: " hab meine Freud daran!" Anschließend hielt er ein Referat über Jagdethik, dann floß das Bier. Noch ein paar Worte zur "Ente auf dem See". Westlich von Erlangen gibt es viele Karpfenweiher, die ornithologisch in zweierlei Hinsicht sehr interessant sind: als Brutgebiet für Sumpf- und Wasservögel im Sommer und als Trittstein für ziehende Vögel im Frühjahr und Herbst. Ab September bis November, solange die Gewässer eisfrei sind, herrscht dort ein buntes Treiben der hier brütenden und durchziehenden Arten. Drei Arten sind häufig: Stock-, Tafel- und Reiherente. Die anderen sind selten: Krick-, Knäck-, Schnatter-, Löffel-, Pfeif-, Schell-, Kolben-, Spieß-, Eis- und Eiderente. (Die kleine Moorente ist leider seit ein paar Jahren verschwunden.) Vogelliebhaber bauen dann ihre Teleskope auf, beobachten und blättern in den Bestimmungsbüchern. Die Artbestimmung gelingt nur bei guter Sicht und guter Optik. An einem Sonntag ist dann der Frieden vorbei. Bleischrot Weidgerecht und die Seinen haben lange vor Sonnenaufgang die Weiher umstellt und schießen wie besessen. Stundenlang dauert die unvorstellbare Vernichtungsschlacht. Während bei der Hasenjagd auf jedes Tier individuell gezielt wird, wird in den auffliegenden Entenschwarm ziellos hineingefeuert, offensichtlich in der Hoffnung, daß ein Bleikorn der ca. 20 Stück pro Schuß, schon irgendeine Ente irgendwie treffen werde. Ein Teil der Tiere fällt herunter und die Hunde machen sich darüber her, die meisten knicken nur ein und fliegen nicht tödlich verletzt weiter. Doch irgendwann müssen auch sie wieder aufs Wasser, da beginnt das Schrotgewitter von neuem, ein furchtbares Martyrium für die Tiere. So muß man sich den Vogelmord in Italien vorstellen.


      Bild 1:Tod durch Bleivergiftung: Kampfläufer mit verschluckten Bleischrotkugeln

      Bei den schlechten Lichtverhältnissen, wo mehr nach Gehör als mit dem Auge geschossen wird, und bei der Schnelligkeit, mit der alles abläuft, ist an eine Artbestimmung gar nicht zu denken, so daß es die seltenen und häufigen Arten gleichermaßen trifft. Voll getroffene Tiere haben bis zu 50 Bleikugeln im Körper, so daß vor einem Verzehr nur gewarnt werden kann. Bleischrot Weidgerecht ist gesundheitsbewußt und verkauft seine bleigeschwängerte Beute an eine Gastwirtschaft. Eine andere Vogelgruppe, die Limikolen, das sind Strandläufer, Regenpfeifer, Rotschenkel, Grünschenkel, Schnepfen, Brachvögel usw., die sich auf ihrer Reise zum Nildelta und weiter befinden, lieben auch die mittelfränkischen Karpfenweiher, allerdings im abgelassenen Zustand, wo sie wie im friesischen Wattenmeer die Schlammbereiche mit ihren Schnäbeln nach Eßbarem durchstochern. Im Frühjahr geht's dann wieder zurück ins nordische Brutgebiet. Für die meisten ist aber hier Endstation. Die halten die Bleikügelchen im Weiherschlamm für kleine eßbare Muscheln und nehmen sie auf. Die Magensäfte greifen das metallische Blei an und lösen es auf. Im Blutkreislauf wirkt es stark toxisch und führt über eine Nervenlähmung zum Tod. Das Röntgenbild eines Kampfläufers zeigt gleich fünf Projektile verschiedenen Kalibers im Darm, aufgereiht wie die Perlen einer Halskette (siehe Bild 1). Pro Schuß verteilt Bleischrot Weidgerecht ca. 30 g Blei in der Landschaft. In den traditionellen Entenjagdgebieten bedeutet dies, daß alle paar Jahre eine weitere Tonne Blei hinzukommt. Neben den Limicolen sind vor allem die Enten betroffen, die "Mahlsteinchen" zum Nahrungsaufschluß im Magen brauchen. Ein solches Entenschießgebiet mit Bleideponie ist das Weihergebiet zwischen Hesselberg, Poppenwind und Biengarten westlich Erlangens. Es heißt auch "Naturschutzgebiet Mohrhof". Wegen der verheerenden Folgen ist Bleischrot in vielen Ländern verboten. In Bayern gehen die Uhren aber anders. Der Bevölkerungsanteil von Bleischrot Weidgerecht und den Seinen liegt unter 1%. Im Bayerischen Landtag sind sie aber mehrheitsfähig! Dieses Phänomen ist schwer zu erklären. Möglicherweise trägt das öffentliche Rehessen der Kandidaten Bleischrot Weidgerechtes vor der Landtagswahl erheblich zur Wählergunst bei. Der Drang nach hohem sozialen Rang und der flotte Umgang mit Macht und Gewalt hat schon erstaunliche Karrieren hervorgebracht. Was haben z. B. folgende Herren gemein?
      Viele Grüße von
      Brit

      „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

      Antoine de Saint-Exupéry
    • Jagd und Macht

      Hermann Göring, Führerstellvertreter, Reichsfeldmarschall, Reichsjägermeister, usw.

      Erich Honecker, Erster Parteisekretär, Staatsratsvorsitzender, Mauerschütze, Vorsitzender des nationalen Verteidigungsrates, usw.

      Leonid Breshnew,Erster Parteisekretär, Armeegeneral, Marschall, Staatsoberhaupt, usw.

      Nikolae Ceaucescu, Erster Parteisekretär, Staatsratsvorsitzender, Staatspräsident, Conducator, usw.

      Franz Josef Strauß, Parteivorsitzender, Verteidigungsminister, Ministerpräsident, Redaktionsstürmer, Kanzler-Kandidat, Milliardenkreditvermittler, usw.

      Sie haben im Leben (fast) alles erreicht, dabei blieb wohl so mancher Konkurrent auf der Strecke. Alle liebten auch das Hirschgeweih, besonders das mit vielen Zacken (pardon: Enden!).Vom Rumänen heißt es noch, daß er mehr Braunbären zusammengeschossen hat als alle anderen "Großwildjäger". Er wollte bärenstark werden, denn nach einem alten Menschheitswahn gehen die Eigenschaften des getöteten Gegners auf den Sieger über. Auch beim kleinen Bleischrot Weidgerecht ist das Verhältnis zur Gewalt unverkrampft. Es möge ihm niemand zu nahe treten!
      Jener Naturschützer, der Bleischrot Weidgerecht und fünf Freunden, die an jenem Vormittag dabei waren, auf Enten zu schießen, zumutete, die verschossenen Patronenhülsen nicht wegzuwerfen, sondern mitzunehmen, ging da entschieden zu weit. Die Strafe folgte auf dem Fuße. Nach einer kurzen Diskussion, ob man den Kritisierer nicht ins Wasser werfen sollte, entschied man sich standesgemäß. Man ließ ihn weglaufen und feuerte ihm eine Schrotladung nach. Die blutenden Schußwunden des Kritisierers und der beiden ihn begleitenden Kinder waren nicht so schwer, daß er sie nicht selbst behandeln konnte. Dies meinten auch Bleischrot Weidgerecht und die Seinen, unter denen sich auch ein Apotheker befand. Der Richter war in einem Dilemma. Die sechs leugneten natürlich. Da die drei Verletzten nicht mit Sicherheit sagen konnten, wer geschossen hat, waren alle tatverdächtig und konnten somit nicht vereidigt werden. Der Richter stellte das Verfahren ein, nicht ohne den Beschuldigten einen markigen Satz mit auf den Weg zu geben: Es sei eines deutschen Jägers unwürdig, auf Menschen zu schießen!

      Die Repräsentanz im Bayerischen Landtag ist - wie gesagt -gut. Daß doch mal eine Panne geschah, grenzt an ein Wunder: Im Januar 93 beantragte ein Grüner im Landtag das Verbot der Fallenjagd. Er hatte die damit verbundenen Grausamkeiten überzeugend dargelegt und sogar ein paar versteinerte christ-soziale Herzen erweichen können und kam durch. Da ging ein Aufschrei durchs Land. Bleischrot Weidgerecht mobilisierte die Seinen, denn auf die eisernen Schlagfallen zur Vernichtung der Carnivoren (Fuchs, Iltis, Marder, usw.) wollte er keinesfalls verzichten und in der folgenden Sitzung des Senats wurde der Landtagsbeschluß aufgehoben und zur erneuten Beratung dorthin verwiesen. Mitte 93 war dann alles klar: Fallenjagd weiter erlaubt. Weidmannsheil, hab mein Freud daran! Ansonsten ist Bleischrot Weidgerecht mit der Jagdgesetzgebung voll einverstanden. Als z. B. im April 96 der Kormoran von der Roten Liste (von der Ausrottung bedroht) auf die Abschußliste kam, hatte er nichts einzuwenden. Treibende Kraft waren hier allerdings die Sportangler, neben den Jägern die zweite große Gruppe der Natur-nutzer und ebenfalls eine Macht im Staate. Wie eine Kormoranjagd effektiv durchgeführt wird, wurde im Januar 97 demonstriert. Bei strengem Frost waren alle stehenden Gewässer zugefroren und die Kormorane versuchten ihr Glück auf den Flüssen. Die waren aber von der Pegnitz über Regnitz bis zum Main an einem Sonntagmorgen von Bleischrot Weidgerecht und den Seinen gleichzeitig belagert, um einen Vernichtungsschlag gegen den Kormoran zu führen. Mit Weidgerechtigkeit, was immer das sei, wird man sich bei solchen Großkampftagen schwer tun, immerhin war es ein Schießvergnügen in der an sich schußarmen Zeit und eine erstaunliche organisatorische Leistung.

      Die "Gesetzestreue" von Bleischrot Weidgerecht
      Im Januar 97 lagen hier 20 cm Schnee und es war bitter kalt. Bei der Rückfahrt von der Storchenfütterung bemerkten wir im Regnitzgrund bei Schallershof eine große Schar grauer Wildgänse, über 100 Individuen. An ihren Rufen war zu erkennen, daß es keine Graugänse, sondern Saatgänse waren, die den Winter normalerweise an der Küste verbringen und nur bei extremer Kälte ihr Heil im Binnenland suchen. Nun waren die Erlanger Regnitzwiesen auch beileibe nicht besonders gastlich, so daß wir uns entschlossen bei Bauern Heu und Getreide zu holen. Wir fuhren den Schwarm vorsichtig mit unserem Kleinlaster an und fütterten sie. Am Abend geschah dann etwas merkwürdiges: der zuständige Jagdpächter rief uns an und kritisierte heftig, daß wir ohne Erlaubnis sein Gebiet befahren hätten, konnte jedoch keinen Schaden nennen. Bei einer solchen Überreaktion macht man sich natürlich Gedanken und fragt sich nach dem Grund. Dieser wurde offenbar, als wir tags darauf das Gebiet noch einmal aufsuchten und im angrenzenden Weidicht einen raffinierten Schießstand entdeckten. Eine kleine Holzhütte war halb ins Erdreich eingelassen und bot einen Rundum-Sichtschutz. Lediglich an einer Seite befand sich ein Querschlitz, durch welchen man einen Flintenlauf hinausschieben konnte. Ein paar Schritte davor lag Aas von Fischen und von einem Reh. Bei dieser Witterung konnte Bleischrot Weidgerecht mit einer ganzen Reihe von Carnivoren rech-nen, die sich in extremer Notzeit auch noch mit Aas begnügen. Zahlreiche Patronenhülsen zeugten von regem Besuch. Ein paar Tage später kam noch eine Bestätigung frei Haus: Ein Junge fand im genannten Weidengestrüpp einen toten Bussard. Beim Umweltamt war er schon gewesen, dort meinte man, das tote Tier könnte sich an einem Gartenzaun verletzt haben. Die von uns beauftragte Röntgenaufnahme ergab dann die richtige Todesursache: Der Bussard war mit Bleischrot abgeschossen worden und konnte sich wahrscheinlich zunächst noch dem Zugriff seines Mörders entziehen, bevor er elend verendete. Am 25./ 26. Januar 97 berichtete die Tageszeitung über den Fall, der von der Indizienlage her kaum einen Zweifel zuläßt. Die Anzeige brachte jedoch nichts. Nun richtete sich unsere Hoffnung auf die nächste Sitzung des städtischen Jagdbeirates am 6. Mai 97. Auf deren Tagesordnung befand sich z. B. die Problematik der Storchenfütterung, die "jagdlich unerwünschte" Tiere anziehe, jedoch kein Bussardabschuß. Wir brachten das Thema unter Sonstiges unter und legten eine ganze Reihe weiterer Röntgenbilder auf den Tisch: .:. Ein abgeschossenes Habichtweibchen mit Bleischrotprojektilen im Körper. Das Tier saß bei der Tat auf seinem Gelege, als der Horst von unten durchschossen wurde. Das ist eine beliebte Methode der Habichtvernichtung. Die beiden Patronenhülsen wurden nach Art des Bleischrot Weidgerecht am Tatort weggeworfen und das Tier, welches zur Brutzeit mausert und wohl nicht zum Präparieren geeignet ist, vergraben. Die frische GrabsteIle fiel uns auf, und so kam es in die "falschen Hände" (siehe Bild 2). Noch häufiger als durch Horst ausschießen wird der Habicht mit dem Fangkorb vernichtet. Dieser wird an einer schwer zugänglichen Stelle aufgestellt, z. B. in Obstgärten oder in Schonungen und enthält in seiner unteren Etage eine lebende Brieftaube, die mit heftigem Flügelschlagen, ohne von der Stelle zu kommen, dem Habicht eine leichte Beute vortäuscht. Im Augenblick des Zugriffs lösen sich dann allerdings zwei Fangbügel, die ihn selbst zum Gefangenen machen und die Brief-taube freisetzen, die durch ihre Rückkehr in den Taubenschlag den erfolgreichen Habichtfang vermeldet. Diese Methode wird gleichermaßen von Bleischrot Weidgerecht und von Taubenzüchtern, oft in Zusammenarbeit, angewendet. .:. Eine abgeschossene Waldohreule. Sie ist zwar Mäusejäger, es ist aber nicht ganz ausgeschlossen, daß sie auch einmal einen Junghasen mitgehen läßt, was ihr Bleischrot Weidgerecht nicht verzeiht. .:. Eine abgeschossene Bekassine. Sie macht zwar keinen "jagdlichen Schaden", hat aber wahrscheinlich sterben müssen, weil ihr rasanter Zick-Zack-Flug für den Schützen eine besondere Herausforderung darstellt. .:. Ein abgeschossenes Rebhuhn, auf das möglicherweise legal geschossen wurde, aber nicht tödlich verletzt wurde. Schließlich hat es der Habicht entdeckt und zu seinem Rupfplatz getragen. Die Habichtspezialisten kennen dieses Phänomen, daß nach Beginn der Rebhuhnjagd im September, zahlreiche angeschossene Tiere erbeutet werden.

      Bild 2: Habicht mit Bleischrotkugeln Ausschnitt aus Röntgenaufnahme

      Die Vorlage der Röntgenbilder bei der Sitzung des Jagdbeirates geschah auch in der Absicht, anläßlich der Bestellung eines neuen Jagdberaters, diese Position mit einer unabhängigen biologisch orientierten Person zu besetzen. Seine Aufgabe ist die Beratung der Unteren Jagdbehörde beim Ordnungsamt. Traditionell wurde bislang immer ein Jäger bestellt.



      Dies hatte zur Folge, daß die vorgetragene Kritik zu Selbstlob und Selbstmitleid degenerierte. Die brennenden Fragen, wie z. B. die Gesetzestreue des Bleischrot Weidgerecht oder die Mißhandlung der Carnivoren, blieben außen vor. Die traditionelle Äußerung der Behörde zur gängigen Jagdpraxis ist: "Dank für die aufopferungsvolle Tätigkeit". Wie könnte es auch anders sein, denn der Amtschef ist selbst Jäger. Die vorgelegten Röntgenbilder wurden als "ungeheuer-lich" empfunden, siehe Protokoll vom 14. Mai 97, allerdings nicht das, was sie dokumentarisch belegen, sondern der Umstand, daß es einer wagte, solche Bilder mitzubringen. Erübrigt sich eigentlich zu sagen, daß wieder ein Jäger zum Jagdberater bestimmt wurde.

      Zur Vollständigkeit hier noch einige weitere Ereignisse von 1997: .:. Im April wurde ein Bussard gemeldet, der auf einer Jagdhütte in Baiersdorf trotz heftiger Flügelschläge nicht abheben konnte. Das kam daher, da seine Füße in einem ausgelösten Tellereisen fixiert und zerstört wurden. Kaputte Füße bedeuten für den Greif den sicheren Hungertod. Er mußte daher eingeschläfert werden. Das besondere dieses Falles: Als große Ausnahme wurde der Täter behördlich verurteilt und bekam eine Geldstrafe.
      .:~ Im Juni fanden wir einen weiteren Bussard in der Schießlach bei Heroldsberg. Auch dieses Tier hatte Startschwierigkeiten, seine Füße befanden sich diesmal in einer Drahtschlinge, in die er mit einem Ködertier gelockt wurde. Seine Befreiung kam auch für ihn zu spät. .:. Im Juli fanden wir bei Dechsendorf einen Graureiher und eine Hauskatze, die Bleischrot Weidgerecht in einem Plastiksack im Wald entsorgt hatte. .:. Im Oktober wurde uns südlich von Erlangen eine "Geiersense" gemeldet. Dem Bussard wird hier über einem Obstbaum eine Anflugmöglichkeit vorgetäuscht. Der Sitzast besteht allerdings aus einem Sensenblatt mit der scharfen Schneide nach oben, an der sich das anfliegende Tier die Zehen abschneidet. Der Vorteil dieser Methode ist, daß hier kein Entsorgungsproblem entsteht, da das Tier nach der tödlichen Verletzung wieder abstreicht. Insgesamt sind uns in den letzten Jahren vier solcher Fälle bekannt geworden. Unter der realistischen Annahme, daß uns nur ein geringer Prozentsatz der Greueltaten bekannt werden, gewissermaßen nur die Spitze des Eisberges, erstaunt neben der Bereitschaft zu Gewalt und Brutalität, das miserable Maß an Gesetzestreue.

      Existenzgrundlage Jagd
      Wer die Jagd kritisiert, darf sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, denn wir alle verdanken unsere Existenz der Jagd: In Mitteleuropa gab es einmal eine Kulturepoche, die man heute Solutreen nennt, sie liegt schon ca. 15.000 Jahre zurück. Wenn man aber nach Generationen zählt, sind es nur ein paar Hundert. Ihren Namen hat die Epoche nach der Stadt Solutre in Mittelfrankreich, im Departement Rhöne-Saöne, wo man in einer Sedimentschicht die typischen Relikte jener Zeit findet. Es sind Steinwerkzeuge, die sich durch eine besondere Bearbeitungstechnik auszeichnen und Knochen von Jagdtieren, die ebenfalls bearbeitet wurden: Klingen und Schaber aus Feuerstein, Speerspitzen, Harpunen, Nadeln aus Knochen, Pfeil und Bogen, Elfenbeingeräte mit Schnitzereien. Schon an den alltäglichen Gebrauchsgegenständen ist die Neigung zur künstlerischen Betätigung zu erkennen. Was allerdings in Höhlen an Tiermalereien und Skulpturen hinterlassen wurde, muß, was den künstlerischen Wert betrifft, als sensationell bezeichnet werden. Immer wieder werden neue Höhlen entdeckt und jedesmal schwärmt die Presse von den Leonardos da Vincis der Steinzeit. In der Tat befinden wir uns am Ende der Altsteinzeit. Was war nun die treibende Kraft für die gigantischen Darstellungen der Mammute, Nashörner, Rentiere, Wildpferde, Auerochsen usw.. Die Antwort lautet, es war ein kultisches Ringen um Jagdbeute. Nur wer einer Sippe angehörte, die erfolgreich jagen konnte, hatte die Chance, die furchtbaren Winter jener Zeit zu überleben. Es war nämlich Eiszeit, die vorläufig letzte (Würm Glazial), das nördliche Europa und die Alpen lagen bis weit hinaus ins flache Land unter einer dicken Eisdecke. Der Ort Solutré machte darüber hinaus noch Jagdgeschichte:
      Am Fuße der dortigen Felsklippen fand man eine meter-dicke Schicht von Tierknochen. Über einen sehr langen Zeitraum hat man aufgrund dieser geologischen Besonderheit, neben der klassischen Beutemethode mit Lanze, Pfeil und Bogen, usw., Tiere, vor allem Wildpferde, durch Sturz über die Felsenklippen erbeutet. In der späteren Jungsteinzeit änderten sich die Verhältnisse dramatisch. Unsere Vorfahren lernten den Ackerbau, züchteten Haustiere und wurden ansässig. Das Wildtier war als Eiweißquelle nicht mehr unbedingt nötig und seine Verfolgung geschah nun auch um Konkurrenz für die Haustierherden auszuschalten.

      Der Verfall der Jagdkultur
      Im Mittelalter schließlich wurde die Jagd zur Domäne des Adels. Die Jagd auf "Hoch- und Niederwild" stand ausschließlich dem Hohen bzw. Niederen Adel zu und wurde bevorzugt in der langweiligen Zeit zwischen den Kriegszügen ausgeübt. Vor der Erfindung des Schwarzpulvers und der Feuerwaffe bestand für die Jagdausübenden noch ein gewisses Restrisiko, das dann praktisch auf Null reduziert wurde. Nun konnten auch die adligen Weibsbilder (pardon Damen) am Jagdvergnügen teilhaben und ließen sich die Tiere vor ihre Jagdpavillons treiben, die selbstverständlich standesgemäß ausgestattet waren. Das Mittelalter, das ja auch die Zeit der Ritterlichkeit und eines Franz von Assisi war, zeigt hier sein garstiges Gesicht. An dieser Jagdauffassung hat sich im Prinzip bis heute nichts geändert, ohne Not und vernünftigen Grund frönt Bleischrot Weidgerecht der Schießgaudi und hat seine Freud daran. Der weniger Bemittelte muß sich mit dem Niederwild begnügen, der Geldadel leistet sich mehr, denn vom kanadischen Elch über den Eisbären bis zum Sibirischen Tiger ist alles für Geld zu haben. Gegen diese Schießgaudi richtet sich unsere Kritik, nicht gegen die Jagdkultur unserer Vorfahren im Solutréen. Jagdkulturen gibt es in vielfacher Ausprägung bis in unsere heutigen Zeit. Erst im letzten Jahrhundert wurde die wohl bekannteste, die indianische in Nordamerika, mit dem Bison als Hauptbeutetier, vom Weißen Mann zerstört. Ein beredtes Zeugnis dieser Zeit ist die Rede des Häuptling Seattle, in der gesagt wird, daß sich der indianische Jäger beim Bruder Büffel entschuldigte, bevor er ihn zur Erhaltung seiner Sippe tötete. Die Jagdkultur der Eskimos, die herrliche Schnitzereien aus Walroßelfenbein hervorbrachte, reicht bis in unsere Zeit. Auch sie wollen wir nicht kritisieren; und auch nicht den Papua, der zur Ergänzung seines Tanzschmuckes einen Paradiesvogel erlegt. Ihr Jagen hatte und hat vernünftige Gründe und verdient Anerkennung und Respekt. Respekt haben wir auch für eine ganze Reihe von Forstbeamten, bei denen nach Reduktion des Rehbestandes wieder gesunde und schöne Wälder wachsen konnten, und die die Bejagung des Habichts unterließen, lange bevor er in Bayern von der Abschußliste gestrichen wurde. So wurden die Staatswälder des Erlanger Raumes (Reichswald) zur Arche Noah dieses herrlichen Greifvogels. Die Namen Horneber, Sinner und Dr. Sperber sind in diesem Zusammenhang zu nennen.

      Rückkehr von Wolf und Bär
      Wie wird es weitergehen mit der Jagd? Das Naturbild des Bleischrot Weidgerecht mit den "guten" Arten Reh und Fasan sowie den "bösen" Arten Adler und Wolf wird in Zukunft nicht nur auf die Ablehnung der biologischen Forschung, sondern auch auf die einer aufgeklärten Öffentlichkeit stoßen. Die vorwissenschaftliche Epoche der Jagd, die vom Schießvergnügen einer selbstselektierten Minderheit, die von verheerenden Schäden am Wald gekennzeichnet war, wird zu Ende gehen und einer biologischen Naturauffassung Platz machen, in der man alle Arten (auch die bei uns ausgerotteten Carnivoren) als notwendige Organe einer intakten Lebensgemeinschaft sieht. Wer eine Art herausbricht, bringt ein ausbalanciertes, vernetztes System ins Wanken. Als der amerikanische Waldbiologe Aldo Leopold den Deutschen Wald besuchte, sah er "jeden eßbaren Busch und Sämling verbissen, erst bis zur saftlosen Nutzlosigkeit und dann zu Tode". Denn nach Ausrottung der großen Carnivoren wurden die Herden der Herbivoren unbeherrschbar. Bleischrot Weidgerecht, der vorgab dies zu können, klagt heute über die 20 Ansitze, die er braucht, um ein weiteres Reh zu erbeuten -und noch sind wir weit davon entfernt, daß ein Eichensämling eine gute Chance hätte ein Baum zu werden. Ehedem schaffte es der Wolf die Herbivorenherden an die vorhandenen Äsungsflächen anzupassen. Er wurde in Westeuropa übrigens nicht vollkommen ausgerottet. In Italien durften ein paar Hundert, in Spanien sogar ein paar Tausend überleben. In Deutschland war man konsequenter, war er doch von Rotkäppchen als Menschenfresser enttarnt worden. Inzwischen weiß man es allerdings besser. Durch die Arbeit des Wildbiologen Eric Ziemen und anderer, steht die Wolfsforschung hierzulande auf hohem Niveau. Der Stammvater des Haushundes ist ein interessantes soziales Wesen und für den Menschen ungefährlich. Warum sollte dem Vertriebenen nicht auch bei uns wieder Heimatrecht gegeben werden, als Wiedergutmachung für erlittenes Unrecht?

      Für die Wiederansiedlung bräuchte kein Pfennig ausgegeben werden. Denn immer wieder versuchen einzelne Tiere vom Osten her, instinktiv den alten Wanderkorridoren folgend, verlorenes Gebiet wieder zu besiedeln. Alle Versuche endeten bislang nach einem Schuß von Bleischrot Weidgerecht tödlich. Würde man sie in Frieden lassen, könnte Brandenburg in ein paar Jahren wieder mit einem freien Wolfsrudel rechnen Und nach ein paar Jahrzehnten könnten auch die alten Bundesländer (zuerst Niedersachsen, möglicherweise zwischen Wolfenbüttel und Wolfsburg) mit einer spontanen Wiederbesiedlung rechnen. Die Stiftung europäisches Naturerbe hat die damit verbundenen Probleme, bis hin zu möglichen Schäden bei Haustieren, durchdacht und hervorragende Schriften verfaßt. Für den Wald wäre es ein wahrer Segen, denn ohne Wolf zittert der Wald und mit Wolf zittert das Reh, letzteres wäre ökologisch und ökonomisch von Vorteil. Auch dem Luchs könnte wieder das entzogene Lebensrecht eingeräumt werden. Hierbei könnten wir von den Erfolgen der Schweiz profitieren und vielleicht könnten wir sogar für den Bären in den Nationalparks der Alpen und des Bayerischen Waldes wieder ein Plätzchen finden. So bekäme das herrliche Panoramabild "Wald in Mitteleuropa" im Band XIII des zoologischen Handbuchs von Grzimek wieder Aktualität. Es wird aber nicht möglich sein die großen Carnivoren flächendeckend einzubürgern. Wo die Landschaft durch Zersiedlung, Industrie und zu dichten Straßennetz nachhaltig denaturiert wurde, muß zur Regulation des Schalenwildes nach wie vor geschossen werden. Diese Tätigkeit soll von Forstbeamten und zuverlässigen Leuten mit bio-logischer Ausbildung und Verantwortung für Schöpfung und Naturerbe ausgeführt werden. Bleischrot Weidgerecht ist dazu völlig ungeeignet.

      Umgehend sollte vorab verfügt werden:

      ~ Verbot aller Tierfallen für Beutegreifer

      ~ Verbot von Bleischrot

      ~ Verbot der Jagd auf Tiere der Roten Liste (Rebhuhn, Feldhase, Waldschnepfe, seltene Enten)

      ~ Reduzierung des Schalenwildbestandes (Reh, Hirsch), so daß eine Naturverjüngung des Waldes möglich wird

      ~ Schonzeit für den Fuchs

      Speziell für den Erlanger Raum:

      ~ Einstellung der Jagd im Regnitzgrund, zum Schutz der Bevölkerung und des Vogelzuges

      ~ Einstellung der Jagd am Bischofsweiher und im Naturschutzgebiet Mohrhof, beides wichtige Trittsteine des Vogelzuges
      Viele Grüße von
      Brit

      „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

      Antoine de Saint-Exupéry
    • Das Arche Noah Projekt

      Unterm Kirchendach wurde jetzt eine neue Heimat fuer bedrohte Voegel eingerichtet

      Eule und Falke in der Arche Noah

      Projekt wurde offiziell vorgestellt - “Bewahrung der Schoepfung” - Viel Taubenkot
      von Gerhard Gerstendorfer / Copyright Erlanger Nachrichten vom 04.Juni 2003



      Arche Noah”- der Name assoziiert Gefuehle wie Beschuetztsein und Geborgenheit nicht nur fuer Menschen, sondern auch fuer Tiere. Und genau das wollte der Verein fuer Umwelthilfe e.V. zusammen mit der Kirchengemeinde Frauenaurach und dem Foerderverein der Klosterkirche bewirken, naemlich auch bedrohten Voegeln wieder eine Bleibe unter dem Dach des Gotteshauses zu bieten.

      Nach fast 2 Jahren Arbeit haben nun die Beteiligten ihr Projekt offiziell vorgestellt. Zu der kleinen Feierstunde war auch eine Reihe von Prominenten gekommen. Der Vorsitzende des Foerdervereins Klosterkirche Frauenaurach, Rolf Bergler, hieß die Gaeste willkommen. Neben Dekan Gerhard Muenderlein waren MdL Wolfgang Vogel, die Bezirksraete Birgit Raab aus Ansbach und Willi Gehr aber auch mehrere Stadtraete zugegen. Sie bekundeten unisono ihre Freude über dieses Projekt, das, wie es hieß, Vorbildcharakter auch für andere Kirchen und oeffentliche Gebaeude haben sollte.

      Artenspezifische Verschlaege

      Auf zwei ueber der Klosterkirche liegenden großen Dachboeden haben die Mitglieder der Natur- und Umwelthilfe mit artenspezifischen Verschlaegen in jahrelanger Arbeit Nistplaetze für Turmfalken, Schleiereulen, Fledermaeuse, Mauersegler und zuletzt auch fuer die Dohlen und die verwilderten Haustauben geschaffen. Ein Großteil der Brutplaetze ist von den Voegeln bereits angenommen worden. Die Holzwaende hinter denen sich die Brutplaetze befinden, wurden von Brigitte Mueller beschriftet und zudem mit zwei ueberdimensionalen Tauben bemalt, zu denen Picassos beruehmte Friedenstaube mit dem Oelzweig Pate gestanden hat. “Was sie Naturschutz nennen ist für uns Bewahrung der Schoepfung”, meinte Dekan Muenderlein. Wolfgang Vogel sage, Gesundheit des Menschen erfordere die Gesundheit der Natur. Und augenzwinkernd meinte er – auf seinen Namen anspielend – Vogelschutz bedeute nicht, dass etwa auch er des besonderen Schutzes beduerfe, selbst wenn man als SPD-Mann auf der Roten Liste stehe.

      Wie die Mitglieder der Natur- und Umwelthilfe berichteten, haben die Kirchen bis ins letzte Jahrhundert hinein vielen Vogelarten als Arche Noah gedient, wurden aber mehr und mehr von den sich ueberproportional vermehrenden, verwilderten Haustauben in Besitz genommen. Diese verdreckten die Kirchenboeden und das Innere der Tuerme mit ihrem Kot. So berichtet “Storchenvater” Michael Zimmermann von einem Dachboden in der Altstadt der von 80 Taubenpaaren besetzt war. Sie hatten 50 cm hohe Kotkegel gesetzt. Bei den Raeumarbeiten mussten mehrere Lastwagen dieser Bakterienverseuchten Exkremente entfernt werden. Die Folge solcher Auswuechse war, dass die Kirchenvorstaende alle Turmoeffnungen und Zugaenge zu den Boeden vergittern ließen. Dadurch waren die bedrohten Tierarten vollends ihrer Nistplaetze beraubt. Die Tauben jedoch eroberten sich die Fassadenvorspruenge und zerstoeren seit vielen Jahren mit ihrem Kot wertvollste, kulturelle Bausubstanz. Die “Vergraemungsmaßnahmen”, u.a. mit langen Reihen spitzer Naegel, sind teuer und nur bedingt wirksam. Zudem verletzten sie auf grausame Weise die Extremitaeten der Tiere.

      Deshalb haben die Mitglieder der Natur- und Umwelthilfe (NUH) auf den Boeden der Klosterkirche neben den Verschlaegen fuer die bedrohten Voegel auch ein Taubendomizil geschaffen, weil es u.a. eine Bestandskontrolle erlaube. Sie sei allemal “humaner” als die durch die Naegel hervorgerufenen Verstuemmelungen.

      Fuenffacher Storchennachwuchs

      Zimmermann sprach abschließend der Familie Bergler, die in Frauenaurach eine Maelzerei betreibt seinen Dank aus, weil sie auf ihrem Kamin seit vielen Jahren den Stoerchen Heimat bietet. Auch heuer – so Zimmermann – haben die beiden 26 Jahre alten Storcheneltern für fuenffachen Nachwuchs gesorgt. Sie duerften mit rund 100 großgezogenen Storchenkindern Deutschlands nachwuchsfreudigstes Storchenpaar sein.

      NUH Vorsitzender, Otto Kraemling, hob hervor, dass die alteingesessene Maelzereifamilie darueber hinaus auch einen Hektar Wiesenflaeche zur Verfuegung gestellt und mit anderen auch die Anlage weiterer Biotope ermoeglicht hat. Musikalisch verschoent wurde die Feier durch den Frauenauracher Possaunenchor.

      Der Foerderverein weist darauf hin, dass waehrend des Sommers, jeweils am letzten Sonntag eines Monats, um 14 Uhr, Fuehrungen durch die Kirche “Arche Noah” stattfinden.
      Viele Grüße von
      Brit

      „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

      Antoine de Saint-Exupéry
    • Storchennester im Raum Erlangen
      Geschrieben von Brit Haagna / November 2004

      In Erlangen gibt es eines im Stadtzentrum und 3 in eingemeindeten Vororten

      Das auf der Steinbach-Brauerei mitten in der Altstadt. Das Geschehen im Nest kann man auch im Internet unter steinbach-braeu.de beobachten. Dieses Jahr war ein ganz neues Pärchen dort. “Weißbeinchen” ein großer Storch, der schon während der Winterfütterung auffiel,- hatte selbst im Winter weiße Beine! Weißbeinchen zog hier erst mit zwei anderen Jungstörchen, “Dennis” und “der kleinen Schwedin” herum, bevor sich der unberingte Storch (wir hielten ihn für ein Männchen) es sich im Steinbachbräu bequem machte. Kurz später kam ein noch größerer beringter Storch dazu und wie sich bald herausstellte, war der ein Männchen (2-jährig und beringt in Langenbrücken bei Karlsruhe) und Weißbeinchen ein Mädchen. Kurz später kam dann der jahrelange Horstbesitzer zurück von Spanien. Es fanden Kämpfe statt, der alte Storch wurde verletzt und flog mit hängendem Bein davon. Weißbeinchen und ihr Partner zogen 3 Junge groß

      Dann gibt es das in Erlangen-Bruck auf dem wunderschön restaurierten Fachwerkhaus der Fam. Greschat. Diesen Horst hat unser Storchenvater Michael Zimmermann vor ca. 17 Jahren errichtet und erst dieses Jahr wurde er erstmalig von Störchen angenommen (obwohl, vor ca. 60 Jahren gab es dort auch schon ein bewohntes Storchennest). Wahrscheinlich war es das unberingte langjährige Eltersdorfer Storchenmännchen, das dieses Jahr dort einem Jüngeren Platz machen musste, der sich eine 2-jährige Störchin zur Frau nahm. 3 Junge wären auch da gewesen, wenn die Störchin ihre Pflichten ernst genommen hätte. Aber anscheinend war sie einfach zu jung und das hat leider keiner so recht beobachtet dort vor Ort und so kam unser Storchenvater leider zu spät und konnte nur noch die toten Jungen aus dem Nest holen.

      In Erlangen-Eltersdorfgibt es das Nest auf dem Dach der Familie Haußner, beim “Storchen-Haußner”, wie es dort nur genannt wird. Dort war in diesem Jahr nach einem Kampf der Männchen-Wechsel (siehe oben) und das neue Männchen zog mit dem alten Weibchen eine 6-er Brut groß. Auf diesem Hof gibt es auch, neben freilaufenden Hühnern, 3 Esel!

      Und “last not least” haben wir da noch das Nest in Frauenaurach hoch droben auf der Mälzerei. Dort residieren seit vielen vielen Jahren die “Frauenauracher”, ein Storchenpärchen, das bereits 27 Jahre alt ist. Ihren ersten Winter mussten sie verletzungsbedingt im Nürnberger Tiergarten verbringen, haben dadurch den Zugtrieb nie kennengelernt und sind seither “Winterstörche”. Das bedeutet aber nicht, dass ihre Jungen auch hierblieben, nein, sie haben in all den Jahren an die 100 Junge großgezogen und alle sind im ersten Jahr weggezogen.

      Und eigentlich gäbe es auch noch ein 5. Erlanger Storchennest, nämlich in Erlangen-Büchenbach. Wenn, ja wenn nicht im Jahre 1986 dort der gesamte Familienverband von 5 Störchen von einem Fischteich-Besitzer vergiftet worden wäre.

      Im Umkreis von Erlangen gibt es dann noch in Baiersdorf 2 Nester (eines war besetzt mit einem jahrelangen Brutpärchen, es waren auch 4 Junge da, nur hatte die aus Spanien stammende Störchin eine Karambolage mit einem Auto, war wohl unverletzt, kümmerte sich zunächst auch um ihre Brut, aber hat alsbald das Interesse verloren und so war diese Brut leider schneller tot, als man es merken konnte.

      In Dannberg ist auch ein langjähriges Brutpaar, beides auch Winterstörche durch Verletzung im 1. Lebensjahr. Auch sie hatten eine 5-erBrut, die allerdings in der schlimmen kalt-naßen Wetterphase in der Nacht vom 7. auf den 8. Mai, die in der Storchenwelt so viele Opfer verlangte auch einen Totalverlust. Das hat die Störchin wohl erstmal auf Reisen geschickt und ihr Tiergarten-Ring wurde in der Nähe von Loburg, als sie sich in Prinzesschens Nähe herumtrieb, abgelesen!

      In Röttenbach auf der Brauerei wurden dieses Jahr auch 5 Junge großgezogen.

      Das Nest in Möhrendorf blieb leider leer.

      Auch in Adelsdorf sind 3 Junge ausgeflogen und in Gremsdorf, ähnlich wie in Bruck, hat ein superjunges Weibchen nicht durchgehalten. Die Brut wurde geborgen und im Tiergarten von Hand aufgezogen, wo sie nach Freisetzung auch weggezogen sind.

      In Höchstadt gab es nach heftigen Kämpfen auch einen Storchenmännchenwechsel, der alte Storch musste gehen. Per Internet konnte man über viele Wochen eine “Dauerbrüterei” beobachten,- offenbar waren die Eier während der kalten und nassen Wetterperiode Anfang Mai abgestorben.

      Dann ist da der Horst in Gerhardshofen, “bewacht” von “unserer Marie”, Frau Maria Kreß. Der Horst befindet sich auf dem Pfarrhaus und wenn man den Kirchturm erklimmen darf, dann kann man von oben in den Horst hinunterschauen und hat eine wunderbare Einsicht ins Nest. Gegenüber vom Pfarrhaus steht eine Bank, das “Bänkla”, dort verbringt unsere Marie praktisch ihren Sommer, immer mit Blick auf´s Dach des Pfarrhauses. Und es gibt wohl keinen, der mehr vom Storch versteht, als Maria Kreß. Und “ihren” Storch, den kennt sie schon ganz genau, war er doch dieses Jahr, aus Spanien kommend (das weiß man nicht nur, weil er immer sehr früh im Jahr in Gerhardshofen erscheint, sondern vielmehr, weil er auf Spaniens Müllhalden abgelesen wurde) zum 7. Mal in diesem Horst. Seine Partnerin ist in jedem Jahr eine andere, die letztjährige kollidierte mitten während der Jungenaufzucht mit einem Krankenwagen und war sofort tot. Papa Storch musste sich alleine um seine 5-er Brut kümmern, unterstützt wurde er anfänglich durch tägliches Zufüttern mit Hilfe der Feuerwehr und alles ging gut aus. Alle fünf kamen zum Ausfliegen. Dieses Jahr waren es 4 Prachtexemplare, die Papa Storch mit seiner diesjährigen Partnerin (Erkennungsmerkmale, da ringlos, leichte x-Beine…)groß zog. Auch das war dramatisch und wäre Maria Kreß nicht gewesen, dann hätten sie wohl keine Chance gehabt. Anfang Mai, als das Wetter hier so kalt und verregnet war, beobachtete jeden Tag jemand vom Kirchturm aus die Brut. Am 7. Mai war es dann Maria Kreß selber, die, von einem unguten Gefühl getrieben, hinaufstieg. Und was sie sah ließ sie erschauern: die Jungen waren fast schwarz, die Alten standen selbst nur noch zitternd und durchnässt daneben und so schnell, sagt Maria Kreß selber, war sie noch nie wieder unten vom Kirchturm um Hilfe zu holen. Die Feuerwehr kam, die Jungen wurden heruntergeholt, das Nest so gut es ging “trocken gelegt”, die Jungen, die praktisch tot waren, durch warmes föhnen und füttern wieder ins Leben zurückgeholt. 2 von ihnen konnten sofort anschließend wieder in den Horst gebracht werden, die zwei anderen wurden von unserem Storchenvater mit nachhause genommen und hochgepäppelt, bevor sie ein paar Tage später wieder zu ihren Eltern zurückgebracht wurden. So nahm die diesjährige Brutsaison in Gerhardshofen, dank Marie, ein gutes Ende und 4 wunderschöne Jungstörche kamen zum Ausfliegen.

      In Oberhöchstadt war dieses Jahr auch ein aufregendes und trauriges Jahr. 3 dieser 4-er Brut haben die Witterung nicht überstanden. In derselben Regennacht vom 7. auf den 8. Mai, bei 6° und Dauerregen wurde das schwächste Junge herausgeholt aus dem Nest, die drei kräftigen großen blieben im Nest. Als nach einigen Tagen das aufgepäppelte 4. Junge wieder in den Horst gesetzt werden sollte, fand man die 3 Geschwister tot am Nestrand. Die Storcheneltern nahmen das 4. Junge nicht mehr an. So musste es auch in den Nürnberger Tiergarten gebracht werden zur Aufzucht.

      Da gibt es noch in Vach auf der ehemaligen Brauerein ein Storchennest. Hier überlebten nur 3 von 5 Jungen.

      Auch in Fürth, Gustavstraße, gibt es ein Storchennest, auch dort dieses Jahr kein Glück,- die Störchin verunglückte tödlich in der Kläranlage.

      Dann gibt es auch noch zwei Nester in Forchheim, Unterneusses und Steppach.
      Viele Grüße von
      Brit

      „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

      Antoine de Saint-Exupéry
    • Die Geschichte des Dannberger Storches A 3268 ( “Dennis” )

      Das Leben des kleinen Storches A 3268 beginnt im Jahr 2003 im Storchenhorst von Dannberg bei Erlangen. Er ist eines von 6 Storchenkueken der Brut 2003. Wie sein Leben bis zum Jahr 2004 verlaeuft, ist im nachfolgenden Brief von Michael Zimmermann an die Klasse 3 c in Gummersbach auf dieser Seite nachzulesen.

      *
      “Dennis” im Mai 2006

      Die Geschichte schreibt eine Fortsetzung im Jahr 2006. *Dennis* und eine kleine schwedische Stoerchin ( auch im Jahr 2003 geboren ) bleiben im Winter 2003/2004 im Raum Erlangen und finden im Wiesengrund durch die Winterfuetterung eine gute Chance zu ueberwintern. Beide sieht man immer zusammen bei der Futtersuche, mit ihr ist *Dennis* staendig unterwegs. Dann, es ist Mai 2004, verschwinden beide ploetzlich und werden nicht mehr gesehen. Sie sind, wie man heute weiss, nach Gibraltar gezogen. Dort werden sie durch die Ringnummern ( die dort abgelesen werden konnten ) identifiziert. Sie sind, allen Kritikern der Winterfuetterung und allen, die der Meinung sind, man solle auch nicht bei drohender Gefahr in einen Storchenhorst eingreifen zum Trotz, *wilde Stoerche* geblieben. Wir schreiben das Jahr 2006 und ... Storch A 3268 “Dennis”, inzwischen ein stattlicher schoener Storch, ist zurueck im Erlanger Wiesengrund. Seine Rueckkehr hat ein Gaensehautgefuehl erzeugt. Wuenschen wir “Dennis” ein langes gutes Storchenleben. Von der kleinen Schwedin gibt es leider keine Informationen. Hoffen wir nur, das sie auch noch lebt. Willkommen wieder daheim Storch A 3268.

      Eine weitere Fortsetzung gibt es im Frühjahr 2011, als Dennis als Brutstorch im Forchhehimer Berufsschulnest auftaucht und zusammen mit seiner Störchin, A6068 (2007 in Eltersdorf geschlüpft) 5 Eier ins Nest legt, dann allerdings, offenbar nach heftigen Storchenkämpfen verschwindet, nach ein paar Tagen auf der Mülldeponie von Gosberg auftaucht und dort auch einige Tage verbringt. Seitdem ist er (bisher!?) verschwunden.

      Brief von Michael Zimmermann an die Klasse 3 c in Gummersbach
      Die Geschichte des Dannberger Störchlis (2003) in Michael Zimmermanns Brief vom 14.12.2003 an die Klasse 3c beschrieben:

      Liebe Frau Lühr

      Liebe Künstlerklasse 3 c,

      Dennis, Benni, Tobias usw.

      Ich komme gerade aus dem Tal der Regnitz (mündet bei Bamberg in den Main) , wo acht hungrige Störche auf mich warteten, darunter auch A 3268, der seit ein paar Tagen hier ist, dessen Erscheinen beim Storchenvater, an sich aus härterem Holz geschnitzt, ein paar Tränchen kullern ließ. Seine Geschichte ist ungewöhnlich und ich werde noch von ihm erzählen.

      Heute gab es Forelle geschnitten, Karpfenkiemen und Innereien, außerdem Ärgerliches und Erfreuliches. Zunächst das Ärgerliche: die Jäger waren da und haben an der Fütterung herumgeschossen (wahrscheinlich auf Krähen, die Jäger nicht mögen). Das haben ihnen die Störche sehr verübelt, da sie sehr knallempfindlich sind und waren verstört. Es wird ein paar Tage dauern, bis sie wieder Vertrauen fassen. Ich habe heute schon in diesem Zusammenhang an unsere Bürgermeisterin geschrieben mit der Bitte, die Jagd in diesem Bereich zu verbieten.

      Und nun das Erfreuliche: Brit und Michael Kaatz sind aufgetaucht und haben mir über die Schulter geschaut. Das kommt nicht alle Tage vor! Ich hoffe, dass sie mit meinem Menü zufrieden waren.

      In den letzten Tagen habe ich dazugelernt. Ich weiß jetzt, was ein Set ist: das ist eine kunstvoll gestaltete Unterlage für die Teetasse und das Butterbrot. Ich habe davon drei mit wunderbaren Storchenmotiven, die ich Euch zu verdanken habe! Künstlerisch gekonnt und unangreifbar, nur biologisch wäre Kritik möglich, denn das Gelenk auf halber Höhe am Storchenbein ist das Fersengelenk, welches nach hinten knickt. Das Storchenbein hat natürlich auch ein Kniegelenk, welches nach vorne knickt. Dieses wird aber bereits vom Gefieder bedeckt und ist nicht sichtbar. Aber wie gesagt, künstlerisch hervorragend.

      Jetzt gehen wir etwas zurück, bis Pfingstsonntag dieses Jahres. Damals habe ich meiner Frau eine Radtour versprochen (Autos finden wir blöd und haben nie eines besessen).

      Wir fuhren früh um 4 Uhr los, da sind noch keine Autos unterwegs und den Sonnenaufgang im Fahrradsattel zu erleben finden wir wunderbar. Wir fuhren Richtung Dannberg, das ist ein kleines Dorf, ca. 15 km westlich von Erlangen. Ich wollte schauen, wie die dortige Storchenbrut vorankommt. Ein paar Wochen vorher waren wir schon einmal hier und haben bei einer Horstkontrolle festgestellt, dass 6 (sechs!) Junge im Nest waren. Gegen 5 Uhr waren wir da und nachdem ich das Fernglas aufs Stativ montiert hatte konnten wir mit der Beobachtung anfangen. Das Zählen des Nachwuchses ist nicht einfach, da er vertieft in der Nestmulde liegt. Die meiste Zeit ist nichts zu sehen. Wenn man aber ca. 100 m Abstand nimmt, dann kommt für kurze Zeit ein Köpfchen hoch, übt Schnabelklappern und verschwindet nach ein paar Sekunden wieder. So ist es jedenfalls bei der etwa 4 Wochen alten Brut (fliegen können sie erst mit 9 Wochen). So, nun zähl mal schön, dachte ich mir. Gezählt darf nur werden die Anzahl der Köpfe, die man gleichzeitig sieht. Nach etwa einer Stunde war ich bei 5. Ein paar Mal war es gelungen 5 Köpfe gleichzeitig zu sehen. Sie waren gut drauf und machten einen fröhlichen Eindruck.

      Mit 5en war ich allerdings noch nicht zufrieden. Wo war das 6te? Ich schaute mir die Augen wund. Beide Eltern waren auf Nahrungssuche unterwegs. Da plötzlich wurde es lebhaft im Horst,- die Mutter war im Anflug- Sie unterflog das Nest und zog gekonnt zum Nestrand hoch – eine saubere Punktlandung! Ihre Aufmerksamkeit galt sofort dem Nachwuchs, ihr Hals versteifte sich und unter heftigen Leibeskrämpfen würgte sie die mitgebrachte Nahrung vor. Unmittelbar danach “der Blick zum Himmel”, wahrscheinlich um die in die Speiseröhre aufgestiegenen Verdauungssäfte zurückfließen zu lassen. Danach wieder der Blick auf die Brut, die sich das Mitgebrachte einverleibte, was von unten natürlich nicht zu sehen war.

      Unübersehbar war dann auch von unten, dass ihre Stimmung umschlug: statt Brutpflege führte sie urplötzlich furchtbare Schnabelhiebe gegen eine bestimmte Stelle im Nest. Es waren wohl ein Dutzend, bis sie selbst zeigte, wem ihr Schläge galten: sie packte eines ihrer Kinder am Kopf und versuchte es zum Nestrand zu zerren, offensichtlich in der Absicht, es abzuwerfen. Es war mit Sicherheit Kind Nr. 6, das da misshandelt wurde, denn im Gegensatz zu seinen 5 Geschwistern war sein Gesichtsausdruck angstvoll, ja verzweifelt. Mir blieb das Herz fast stehen. Ich rannte zum Betonmast, auf welchem sich das Nest befindet und ergriff einen Holzprügel, der zufällig herumlag und schlug damit an den Mast. Was hätte ich sonst tun sollen? Immerhin hatte es den Effekt, dass die Störchin mit der Tortur innehielt und über den Nestrand äugte, neugierig, warum der Kerl da unten so einen Spektakel machte. Dann hielt ich inne, bis sie sich wieder der Brut zuwenden wollte, um mit noch heftigerem Getöse sie wieder zum Nestrand zu holen. Wie oft das so ging, kann ich nicht genau sagen. Die Pausen jedenfalls nutzte ich um ins Dorf nach einem Telefonbuch und einem Handy zu brüllen, was mir, o Wunder, nach einer Weile auch gereicht wurde. Nach ein paar Fehlversuchen bin ich dann bei der Freiwilligen Feuerwehr in Höchstadt/Aisch gelandet, deren Kommandant Herr Kugler nach einigem Wundern über Feiertag und Uhrzeit zusagte das Auto mit der Drehleiter zu schicken. Nach ¼ Stunde war es da und der Horst angefahren. Ich ergriff Nr. 6, leicht zu erkennen, an dem blutverschmierten Gesicht und am Schnabel, dessen Wurzel deutliche Spuren der “mütterlichen” Schnabelhiebe zeigte. Unten bot ich dem Tier Nahrung an, ein paar Ringfleischbrocken, die auf die Schnelle besorgt werden konnten. Es verweigerte die Aufnahme, so dass ich es zwangsweise füttern musste. Dabei fiel mir auf, dass es Schluckbeschwerden hatte und der Schlund nicht rot sondern merkwürdig grau war. Der Feuerwehrmann verabschiedete sich. Seine Frage, wiederholt gestellt, wie die Notsituation von unten erkannt werden konnte, blieb in der Hektik der Ereignisse unbeantwortet.

      Frau Rasack, die des Weges kam, eine alte Bekannte, die den Störchen schon viel Gutes getan hat, übernahm das kranke Tier und brachte es mit meiner Empfehlung einen Halsabstrich zu machen, zum Tiergarten nach Nürnberg (manchmal ist es schon gut, wenn man ein Auto hat!). Die Diagnose von dort: Befall von Luftröhrenwürmern. Die Entwurmung verlief problemlos, Sorgen machte aber der Wuchs des Oberschnabels, dessen Wurzel die schweren Schläge abbekommen hatte, mit einer leichten seitlichen Versetzung. Den hervorragenden Ärzten im Tiergarten gelang es jedoch ihn in Normalstellung zu trimmen. Das ist sehr wichtig, da der Storch bei der Nahrungsaufnahme seine Schnabelspitzen wie eine Pinzette benutzt. Anlässlich eines Krankenbesuches brachte ich einen Storchenring der Vogelwarte Radolfzell mit, auf welchem die Kennummer A 3268 eingelasert ist. Daher der Name!

      Noch ein paar Wort zu seiner Mutter, welcher man nach menschlichen Maßstäben versuchte Kindstötung vorwerfen müsste. Ein Storch sieht es anders: er erwartet von seinen Kindern in den ersten Lebenswochen, dass sie buchstäblich ständig um die elterliche Anerkennung buhlen. Die Jungen werfen den Kopf nach hinten bis der Schnabel den Bürzel berührt und führen ihn unter bellenden und jaulenden Lauten und Schnabelklappern langsam in die Normalstellung zurück. Sie wollen damit sagen :”Eltern, schaut her, ich bin euer Kind, bin kerngesund und habe hervorragende Anlagen, wärmt und füttert mich schön!”

      Lässt ein Jungtier aus irgendeinem Grunde nach, sich um die elterliche Gunst zu bemühen und wird verhaltensauffällig, dann entsteht bei seinen Eltern die Befürchtung, dass der Grund seiner Apathie auf seine Geschwister übergreifen könnte und lösen das Problem mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln: der Abweichler wird getötet. Ist er noch klein, wird er kurzerhand verschluckt, ist er schon größer, wird er erschlagen und/oder abgeworfen. So gesehen könnte man sogar von einer Brutpflegemaßnahme sprechen.

      Wie ging es aber mit A 3268 weiter? Ende August wurde er aus dem Tiergarten Nürnberg als geheilt entlassen, gerade noch rechtzeitig um sich einer Reisegesellschaft nach Süden anzuschließen. Da schlug das Schicksal noch einmal zu: Bein Anflug der Allerheiligen Kirche in Nürnberg glitt er aus und kam mit den Beinen ins Schneefanggitter und musste wieder von der Feuerwehr gerettet werden. Da ein Pressefotograf anwesend war, gab es einen Zeitungsartikel, den ich beigefügt habe. Die Beine waren verschrammt, dies bedeutet eine erneute Einweisung zur tierärztlichen Behandlung in den Tiergarten.

      Bei der erneuten Freilassung nach ein paar Wochen war der Zug nach Afrika endgültig weg. Der kleine Storch schlug sich an den Nürnberger Gewässern durch, wo er Anfang November vom Ehepaar Daut am Wöhrder See beobachtet und abgelesen wurde. Die Ringnr. wurde nach Radolfzell gemeldet und ich kam zu meiner ersten Rückmeldung. Im Dezember flog er die Talaue von Pegnitz-Regnitz nach Norden und traf nach ca. 20 km bei Erlangen-Bruck auf einen Storchentrupp, der sich für die herumstehenden Eimer interessierte und schloss sich diesem an. Dort flossen auch die eingangs beschriebenen Wiedersehensfreudentränen.

      Soweit die junge Geschichte des Weißstorches A 3268. Sein Name könnte schöner sein. Ich schlage deshalb vor, ihn in Zukunft Dennis, Benni bzw. Tobias zu nennen und weil es nur einer sein kann, sollten die 3 das Los ziehen. Einverstanden?

      Entschuldigt bitte, dass der Brief so lang geworden ist, jetzt ist Schluss!

      Bedanke mich herzlich für das Geschenk und gratuliere Euch zu Eurer Lehrerin und ihr zu ihren Schülern.

      Alles Gute, Euer

      Michael Zimmermann
      Viele Grüße von
      Brit

      „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

      Antoine de Saint-Exupéry